Ein unvergesslicher Abend auf dem Mauna Kea

Gigantische 10.203 m erhebt sich der höchste Vulkan Hawaiis vom Grund des Meeresbodens bis zum Gipfel. Dabei liegen nur 4.205 m über dem Meeresspiegel. Eine beeindruckende Größe, die den Mauna Kea eigentlich zum höchsten Berg unserer Erde erhebt. Ein Besuch Hawaiis ohne auf dem Gipfel dieses imposanten Vulkans gestanden zu haben – keine Chance!

Der Sitz der Götter

Der schlafende Vulkan ist für die Hawaiianer ein heiliger Berg – ein Sitz der Götter. Genauer gesagt, ist es das zu Hause der Schneegöttin Poli’ahu, die als schönste aller Göttinnen gilt. Es heißt, dass einst Poli’ahu und Pele, die Göttin des Feuers, einen Wettstreit am Mauna Kea ausfochten, wer die schnellste bei einem Schlittenrennen die Berghänge hinab ist. Poli’ahu gewann mehrere Male in Folge, was Pele schließlich dazu brachte, Lava hervorzurufen, in der Hoffnung so ihre Konkurrentin stoppen zu können. Der Wettstreit endete in einem Kampf zwischen der Lava heraufbeschwörenden Pele und der alles zu Schnee und Eis erstarren lassenden Poli’ahu. Letztere Gewann den Kampf und residiert noch heute auf dem Mauna Kea. Pele dagegen musste sich geschlagen zurückziehen und fand ihr zu Hause auf dem Gipfel des beständig brodelnden Kilauea, der sich Hawaii Volcanoes National Park bestaunen lässt.

Die Fahrt zum Gipfel

Heute ist der Gipfel, wenn auch nicht komplett, für alle zugänglich. Es gibt immer noch einen gesperrten Teil, der nur den Hawaiianern und alten Riten vorbehalten ist. Hinauf zum Gipfel gelangt man heute sogar ganz bequem mit dem Auto. Dazu benötigt man allerdings ein Fahrzeug mit Allradantrieb. Der Weg hinauf auf die über 4.000 m ist ab der Visitor Information Station, dass sich auf 2.800 m befindet eine sich steil windende Schotterpiste. Das macht normalen Fahrzeugen vor allem bei der Abfahrt Probleme: Die Bremsen können sich überhitzen, was schlimmer als nur mit Blechschäden enden kann. Wir haben für den Tag also einen Geländewagen gemietet und uns gemütlich auf den Weg gemacht.

Karge Landschaft am Fuße des Vulkans
Noch waren überall Wolken zu sehen. Wie es wohl auf dem Gipfel werden würde?

Kurzer Stopp

Am Visitor Center gab es dann zunächst einen halbstündigen Stopp. Der wird auch empfohlen, um sich etwas an die Höhe zu gewöhnen. Dabei sahen wir uns etwas im Souvenirladen um und schauten uns einen informativen Film über den Vulkan, seine Entstehungsgeschichte und die hawaiianischen Göttererzählungen rund um den Mauna Kea an. Natürlich finden sich hier auch noch einmal Warnhinweise zu den Gefahren der Höhenkrankheit, die sich auch auf 4.000 m Höhe einstellen kann. Besonders Schwangere, Kinder unter 16 Jahren und Personen in einem bereits weniger guten Gesundheitszustand sollten besser ganz davon absehen, auf den Gipfel zu fahren.

Straße zum Gipfel
Der Weg zum Gipfel an einem weniger steilen Abschnitt

Per Anhalter auf den Mauna Kea

Als wir uns anschließend auf den Weg machten, den Gipfel zu stürmen, kamen wir zunächst nur ein paar Meter bis zum ersten Stopp voran. Am Rand stand ein Pärchen und hoffte auf eine Mitfahrgelegenheit. Auch das ist eine Möglichkeit das letzte Stück des Weges zurückzulegen und da wir ja genügend Platz hatten, nahmen wir die beiden kurzerhand mit. Das junge Ehepaar kam aus der Slowakei und war auf Hochzeitsreise unterwegs. Wir unterhielten uns nett, während wir Stück für Stück in eine immer unwirtlichere Welt vordrangen.

Rote Vulkankegel

Sonnenuntergang Auf dem Gipfel des Mauna Kea

Schließlich war es geschafft und wir bogen um die letzte Kurve. Ein halbes Duzend Sternwarten begrüßte uns, ebenso wie eine atemberaubende Aussicht mit kleinen Schneefeldern zwischen den Vulkankegeln.

Sternwarten auf dem Gipfel des Mauna Kea

Die Sonne sank bereits weit dem Horizont entgegen und die Wolken zogen sich zunehmend in die Täler zurück. Es gibt an 360 Tagen im Jahr klare Nächte auf dem Gipfel. Da ist ein schöner Sonnenuntergang also fast garantiert!

Eines war allerdings etwas hinderlich beim Warten auf den Sonnenuntergang: Es war echt kalt. Bei einem Urlaub auf Hawaii packt man ja nun nicht die dicksten Wintersachen ein. Da Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschten, hätten wir sie auf dem Gipfel allerdings gut gebrauchen können. Das Frieren lohnte sich jedoch, bei dem herrlichen Sonnenuntergang, den wir bestaunen konnten. Die kleinen Schneefelder ringsherum gaben dem Ganzen zudem eine ganz besondere Atmosphäre.

Sonnenuntergang hinter Vulkankegeln und Sternwarten

Bis auf die Kälte haben wir die Höhe allerdings zum Glück gut zu vertragen – kein Zeichen von Höhenkrankheit.

Die schönste Überraschung

Inzwischen war ich leider echt durchgefroren. Und so schön die Ausblicke um mich waren, der Wunsch möglichst bald wieder zurück ins Warme zu kommen, wurde immer schwieriger zu ignorieren. Da kam mein Freund und meinte: „Lass und doch noch ein Foto zusammen machen!“ Ich dachte nur so: „Muss das sein?“ Wir hatten doch schon genügend Fotos gemacht und frierend und mit Mütze und Kapuze über dem Kopf war die Selfie-Stimmung gerade nicht so toll. Allerdings wollte er gar kein Selfie machen, sondern bat unsere neuen slowakischen Bekannten ein Foto von uns zu machen. Eh die aber die Kamera übernommen und sich positioniert hatten, das dauerte. Dann dachte ich, dass es endlich losgehen könnte, doch Tom stellte sich gar nicht neben mich. „Was macht er denn jetzt noch?“, fragte ich mich inzwischen etwas genervt. Ich habe es im ersten Moment wirklich überhaupt nicht kapiert, was da gerade geschah. Und selbst als er bereits vor mir kniete, war ich immer noch zu perplex, um glauben zu können, dass das gerade wirklich passierte! Erst als die magischen Worte ausgesprochen waren, setzte unglaubliche Freude ein: „Ja!!!“ In dem Moment zitterten wir inzwischen beide, aber nunmehr vor lauter Aufregung – die Kälte war komplett vergessen. Natürlich durfte auch der Ring zum Antrag nicht fehlen und hat sogar auf Anhieb perfekt gepasst, obwohl ich eigentlich nie Ringe trage, an denen Tom die benötigte Größe hätte messen können.

Gemeinsam die Aussicht genießen
Frisch verlobt genossen wir die letzten Sonnenstrahlen des Tages

Ein unglaublicher Moment und es dauerte auch noch eine ganze Weile bis ich wirklich glauben konnte, dass wir nun wirklich verlobt sind. Es dauerte jedoch im Gegensatz dazu nicht lange, bis mich die Kälte wieder einholte und es wurde bald Zeit ins Warme zurückzukehren.

So viele Sterne wie nie zuvor

Die Sonne auf dem Gipfel des Mauna Kea langsam hinter dem Horizont verschwinden zu sehen, die Stille inmitten der marsähnlichen Landschaft ringsherum zu genießen und über die unendlichen Weiten unseres Universums ins Grübeln zu geraten – ein Abend auf dem Mauna Kea ist nur eines, wunderschön. Kaum senkt sich die Nacht herein, öffnen sich ringsherum die Kuppeln der Sternwarten und die Sterne begannen wie Abermillionen von Diamanten am Nachthimmel zu funkeln. So viele Sterne habe ich noch nie zuvor gesehen und auch die Milchstraße war deutlicher als irgendwo sonst zu erkennen – ein atemberaubender Anblick. Wir machten uns daher auf den Weg zur Visitor Information Station, wo fast allabendlich Teleskope aufgestellt werden und jedermann zum Sterne schauen (Stargazing) vorbeikommen kann.

Sternwarte mit geöffneter Kuppel

Letztes Licht des Tages
Leider reichten unsere Fotografie(grund)kenntnisse nicht für ein vorzeigbares Foto des Sternenhimmels, aber ich schwöre, der war der Hammer 🙂

Der Anblick des Sternenhimmels war auch auf den 2.800 m, auf denen das Visitor Center liegt, einfach nur umwerfend. Ein Blick durch die Teleskope ließ uns dazu noch die Venus sehen, die gerade wie eine dünne Mondsichel am Himmel erschien, ebenso wie „nahe“ gelegene Galaxien. Dazu erfuhren wir einige interessante Fakten zu den Sternbildern, Sternen und anderen Galaxien. Die Erklärungen der Visitor Station Mitarbeiter (auf Englisch) sind dabei sehr unterhaltsam! Während wir den Erzählungen lauschten und die Schönheit des Sternenhimmels bewunderten, ließen wir den Abend noch bei einer heißen Schokolade ausklingen, die in der Kälte wirklich guttat. Ein gebührender Abschluss eines (natürlich für mich im Besonderen) außergewöhnlichen Abends.

Fazit zum Gipfelerlebnis

Ein Besuch des Mauna Kea kann ich wirklich jedem nur ans Herz legen, der sich für schöne Landschaften, Sonnenuntergänge und den schönsten Sternenhimmel überhaupt begeistern kann. Für alle, die vielleicht noch überlegen, wo ein Heiratsantrag stattfinden könnte, dem sei (falls ihr euch demnächst zufällig auf Hawaii aufhaltet) der Mauna Kea natürlich ebenfalls Wärmstens empfohlen 😉

Bye bye und bis bald!

Ina

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