15 Zeichen, dass du zu lange in China warst

„Lass doch die Leute erst mal aus dem Fahrstuhl!“, unbemerkt stand mein Freund schon wieder direkt vor der Fahrstuhltür, bevor sich diese überhaupt geöffnet hatte. So wie man das in China eben macht. Etwas, dass mich schon oft fast in den Wahnsinn getrieben hat, wenn ich mal wieder aus dem Fahrtstuhl aussteigen wollte, aber die Chinesen alle sofort in den Fahrtstuhl strömten und ich kaum eine Chance hatte auszusteigen. Nur ein paar Monate in Peking und schon fingen wir allerdings selbst damit an! Eigentlich bereits ein sicheres Zeichen, dass wir langsam assimiliert wurden und schleunigst hätten das Weite suchen sollen, bevor wir noch vollständig zu Chinesen mutieren. Daneben gibt es aber noch weitere Anzeichen, dass du zu lange in China warst:

***Warnung, dieser Beitrag enthält Ironie, Übertreibungen und extreme Verallgemeinerungen und sollte von Leuten, die alles zu wörtlich nehmen, nur mit Vorsicht konsumiert werden.***

Fake-BMW in China
Neuestes BMW-Modell, allerdings nur in China erhältlich

1. Du stehst, wo du stehst

Langsam läufst du vor dich hin und plötzlich fällt dir ein, dass du doch noch etwas auf dem Handy nachschauen wolltest. Also bleibst du besser stehen, mitten auf einem schmalen Weg. Beständig kommen Leute von vorn und von hinten und haben Mühe an dir vorbeizukommen, aber das stört dich kein bisschen. Du bist im Zentrum deiner Welt und ruhst in dir, ebenso wie in der Mitte des Weges – ein Fels in der Brandung oder zumindest vor den Menschenmassen, die sich langsam hinter und vor dir stauen.

2. Du schmatzt beim Essen für dein Leben gern

Eine Banane essen ohne dabei laute Essgeräusche zu fabrizieren, geht ja mal gar nicht! Die Leute sollen schließlich wissen, dass es dir schmeckt und das Unverständnis der Personen neben dir kannst du nicht verstehen. Sollte dir dann noch ein genüsslicher Rülpser entfleuchen, ist das nur ein weiteres Zeichen, dass du deine Mahlzeit gerade voll und ganz genießt.

Lebensmittelhygiene liegt dir sehr am Herzen, daher trocknet dein Mais auch auf der Straße

3. Du kannst ohne WeChat nicht mehr leben

WeChat, die chinesische Antwort auf WhatsApp, Facebook, Liefer- und Buchungsservice, Online-Zahlungsmethoden und vermutlich auch sonst alles, was sich irgendwie online erledigen lässt, ist schon ein absolutes Allround-Talent und äußerst praktisch obendrein. Solltest du allerdings nur noch auf deine WeChat Timeline posten, nur noch über WeChat zahlen, dein Essen und deine Wäscherei darüber bestellen, Friseur Termine verwalten und gar nicht mehr wissen, was WhatsApp und Co. gleich noch mal waren, dann sollte China jetzt all deine Daten gesammelt haben. Danke vielmals im Namen der Regierung!

5. Du hast einen hervorragenden Schlaf

…besonders im Flieger oder während der Arbeitszeiten.

6. Du schwörst auf SchweineFüsse

Schweinefüße sind nicht nur lecker, sondern natürlich auch gut für die Frau, die gern etwas größere Brüste hätte. Weiß ja jeder und bei deiner regelmäßigen Portion Schweinefüße schwörst du auf die Wirksamkeit. Deinem Freund mischst du dagegen gern etwas Ginseng unter das Essen – etwas für die Potenz kann ja nie schaden.

Bild von Gehirnen in chinesischer Speisekarte
So ein schönes Bild in der Speisekarte macht doch gleich Appetit auf eine extra große Portion

7. Im Jahr des Schafes Bekommst du lieber kein Kind

Ja, da bist du schon sehr am Grübeln. Solltest du im Jahr der Ziege wirklich ein Kind bekommen? In so einem ungünstigen Jahr? Da du dich in China natürlich auch sehr mit traditionellen Erkenntnissen beschäftigt hast, bist du inzwischen ein Experte des chinesischen Horoskops geworden. Daher ist dir zum Glück bewusst, dass das Jahr des Affen, nur ein Jahr später, doch viel besser wäre. Affen sind ja schlauer und sowieso viel sympathischer. Also doch lieber noch ein Jahr warten.

8. Du trägst beim Wandern ein kleines Radio mit laut dudelnder Musik mit dir

Hach, endlich mal wieder raus in die Natur, in die Berge, wo die Luft klar, der Himmel blau und die Musik aus dem kleinen Kofferradio umso schöner ist. Nebenbei quatschst du mit deinen Wanderkollegen und gibst ab und zu noch ein paar Durchsagen durch dein Walkie-Talkie, damit die am Anfang der Schlange fünf Meter vor dir wissen, wie es dem Ende der Schlange geht. Welch ein entspannender Wanderausflug!

Überhaupt liebst du die Geselligkeit mit Leuten um dich herum. Daher telefonierst du in der Bahn auch gern so laut, dass selbst die Leute am anderen Ende des Zuges dein Gespräch ohne Probleme mit verfolgen können.

9. Du trinkst nach jedem Prost dein Glas auf Ex aus

Jemand hat Prost gesagt? Schon fließt dein 20€-Whiskey in einem Zug die Kehle hinunter. Das Glas war ja nur voll und vom Geschmack hattest du auch nicht wirklich etwas, aber Hauptsache, du kannst mit jedem am Tisch auch noch einmal anstoßen. „Ganbei“ zu deinem Kollegen für die tolle Zusammenarbeit – schon wieder ein Glas leer, dieses Mal ein Bier. „Ganbei“ zu deinem Chef, die Ehre mit ihm anzustoßen lässt du dir ja nicht entgehen – auch das Glas Rotwein geleert. Jetzt noch eine Runde Reisschnaps mit den Kollegen aus der anderen Abteilung und plötzlich sackst du unter den Tisch. Was für eine Feier und da hast du sogar bis 20.30 Uhr durchgehalten!

10. Du schaust nur noch in deine Fahrtrichtung

Du biegst nach rechts ab, da ist es doch nur logisch, dass du auch nach rechts schaust. Wer schaut denn schließlich nicht in die Richtung, in die er fährt? Für Leute, die von links kommen und dich anhupen, weil du ihnen gerade schön die Vorfahrt genommen hast, hast du nun wirklich kein Verständnis. Die haben doch selbst nach vorn geschaut (in ihre Fahrtrichtung!) und dich eindeutig kommen sehen. Da kannst du nur noch mit dem Kopf schütteln.

Genauso geht es dir auch auf dem Rad. Du schaust nach vorn und die Straße ist frei, also fährst du – logisch. Dass du dafür nur drei Sekunden hast, weil du gerade in dem kurzen Moment, in dem alle Ampeln auf Rot sind, quer über die Kreuzung radelst, stört dich nicht. Sollten die Autofahrer doch schon Grün bekommen, dann kein Problem, sehen sie dich doch.

Auto transportiert Kiste auf unkonventionelle Art
In China sprüht auch die Kreativität, z.B. beim Transport von sperrigen Gegenständen

11. Du drängelst dich Ohne Reue vor

Egal ob am Ticketschalter oder an der Kasse in deinem Lieblingsklamottenladen, du bist immer die erste – nach dir die Sintflut.

12. Du reagierst genervt auf deine Kunden

Argh, schon wieder steht ein Arbeitstag vor der Tür. Das mag natürlich niemand, scheinbar umso mehr, wenn du in einem Service-Beruf, wie z.B. als Kellner/in arbeitest. Dieses ständige Lächeln und freundlich sein, kann aber auch nerven. Also heute begrüßt du Gäste daher lieber mit einer Hackfresse und 15 Minuten nach der Bestellung teilst du ihnen nur mit einem gelangweilten „meiyou“ (nicht haben) mit, dass ihr gewünschtes Essen heute leider bereits vergriffen ist. Noch einmal 15 Minuten später bringst du dann zur Hälfte das falsche Essen und reagierst auf die Aussage der Gäste, sie hätten das nicht bestellt, nur mit einem genervten Blick und einem langgezogenen „Waaas? Ich nix verstehen“. Dein Plan geht auf, die Kunden geben frustriert auf und essen einfach, was auf dem Tisch steht. Tja, warum sollst auch nur du einen miesen Tag haben? Geteiltes Leid ist ja halbes Leid oder so…

13. Du umgehst, wann immer möglich die Zahl 4 

Die 4 ist eine Unglückszahl, das weiß ja jeder. Also bitte keine Handy- oder Zimmernummer mit der Zahl 4. Gleiches gilt für die Punkte in einer Aufzählung… 😛

15. Du teilst dein Schnitzel mit deinem Tischnachbarn

Essen macht Spaß, aber geteiltes Essen bringt doppelte Freude! So stehen in China immer viele Schalen mit den unterschiedlichsten Leckereien auf dem Tisch, aus denen sich jeder nach Lust und Laune bedienen kann. Nun hast du zwar ein Schnitzel und dein/e Freund/in einen Burger in einem Restaurant in Deutschland bestellt, aber das ist ja kein Grund nichts teilen zu können. Ihr esst jeder nur die Hälfte und dann werden die Teller getauscht.

Da hatte ich euch 15 Punkte versprochen und jetzt habt ihr eigentlich nur 13 bekommen. Sollte euch das jetzt nicht verwundern noch stören, ist das nur ein weiteres Zeichen, dass ihr schon zu lange in China seid und inzwischen nicht mehr erwartet gleich beim ersten Mal geliefert zu bekommen, was euch versprochen wurde. Solltet ihr euch auch in anderen Punkten wiederfinden, dann zeigt ihr eindeutige Symptome und solltet euch sofort ein Ticket nach Hause kaufen, bevor das Chinasyndrom chronisch und damit unheilbar wird.

Ja, in einem anderen Land, einer fremden Kultur, wie z.B. in China, zu leben oder sich zumindest längere Zeit dort aufzuhalten, lässt einen nicht unbeeinflusst. Manche Gewohnheiten nimmt man sich schnell an, in dem Bemühen sich anzupassen. Manche Veränderungen im Verhalten, der Art zu sprechen oder der eigenen Gestik kommen eher schleichend, womöglich gänzlich unbemerkt. An so einige Gegebenheiten hier, konnten wir uns selbst bis zum Schluss nicht so recht gewöhnen, aber wer weiß, vielleicht haben wir uns ganz nebenbei kleinere Dinge angenommen, die wir erst in Deutschland merken, wenn uns jemand darauf aufmerksam macht. Habt ihr solche Erfahrungen in China oder einem anderen Land sammeln können? Was habt ihr euch aus der Heimat auf Zeit an- bzw. mitgenommen? Ich freue mich, von euch zu hören!

Bye bye und bis bald!

Ina

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