Die Verbotene Stadt für jedermann

Aus dem kleinen Deutschland kommend, gibt es immer wieder Momente, die einen staunen lassen, wenn man sich die doch etwas anderen Dimensionen in China vor Augen führt. Peking oder eigentlich Beijing, die „Nördliche Hauptstadt“, hat, wenn das gesamte Verwaltungsgebiet von Peking betrachtet wird, nicht nur ca. 20 Millionen Einwohner, sondern auch immerhin eine Fläche von 16.807 Quadratkilometern – zum Vergleich: Sachsen hat eine Fläche von 18.400 Quadratkilometern und dabei aber nur etwa 4 Millionen Einwohner. Also wo soll man bei so einer großen Stadt mit der Erkundung nur anfangen? Natürlich bei dem, was jeder kennt. Peking als einstige Kaiserstadt ist schließlich vor allem für eine Sehenswürdigkeit bekannt: Die Verbotene Stadt.

Eine tatsächlich verbotene Stadt

Das frühere Machtzentrum des Reiches war zunächst der einfachen Bevölkerung nicht zugänglich. Bis 1924, dem Jahr in dem der bereits abgedankte letzte Kaiser nach der Revolution die Verbotene Stadt endgültig verlassen musste, wäre es uns also nicht möglich gewesen, dort einfach hineinzuspazieren. Vermutlich hätten wir schon bei dem Versuch unseren Kopf verloren. Den unzähligen Chinesen, durch die man sich heutzutage den Weg bahnen muss, wäre es allerdings auch nicht besser ergangen. Schon wünschte ich mir fast die alten Zeiten zurück 😉

Der Weg über den Tian’anmen-Platz

Blick auf den Platz des Himmlischen Friedens
Blick zum Platz des Himmlischen Friedens bis hin zur Halle des Volkes (Mitte) und dem Eingang zur Verbotenen Stadt (rechts)

Nun gut, wir sind zunächst mit der U-Bahn bis zum Tian’anmen-Platz, den Platz des Himmlischen Friedens gefahren, an den zum einen das Chinesische Nationalmuseum, das Mausoleum von Mao Zedong (ja, wer ihn schon immer einmal live und in Farbe sehen wollte, der wird hier fündig) und mit der Halle des Volkes ein Parlamentsgebäude anschließen. Zum anderen grenzt aber auch das Tor des Himmlichen Friedens, hinter dem sich die Verbotene Stadt befindet, an den Platz an. Eigentlich wollten wir uns zunächst so noch etwas umschauen, aber da wir uns hätten in eine ziemlich lange Schlange einreihen müssen, nur um überhaupt auf die andere Straßenseite und damit direkt auf den Platz des Himmlichen Friedens zu gelangen, haben wir uns lieber gleich in die Schlange gestellt, die zur Verbotenen Stadt führte und dem Rest nur einen kurzen Blick aus der Ferne gewidmet. Hier lohnt es sich also sicherlich früh beizeiten und wohl auch lieber unter der Woche vorbeizukommen, bevor sich der Durchschnittstourist auf die Socken macht und alle Wege versperrt.

Ein Bildnis wie kein anderes

Nachdem wir mit der Taschen- und Personenkontrolle endlich die erste Hürde genommen hatten, konnten wir zunächst das Tor des Himmlichen Friedens aus der Nähe betrachten. Über dem Tor prangt groß das Bild Maos, da er an dieser Stelle am 1. Oktober 1949 die Unabhängigkeit Chinas ausrief und noch heute vor allem als großer Einiger des Landes gesehen wird. Sein Porträt gilt übrigens als das am meisten reproduzierte Bildnis eines Menschen weltweit – also von wegen Sex sells…

Eingang zur Palastanlage: Tor des Himmlischen Friedens

Endlich: Die Verbotene Stadt hautnah

Anschließend ging es durch das Tor hindurch hin zu, wer hätte das gedacht, dem nächsten Tor. Denn die Verbotene Stadt kann nur an einer Stelle betreten werden, durch das im Süden gelegene Mittagstor. Achtung: Zum Ticketkauf muss normalerweise der Reisepass vorgezeigt werden.

Mittagstor
Mittagstor

Dadurch gelangt man in den riesigen Palastkomplex, für den definitiv einiges an Zeit eingeplant werden sollte, um alles ausgiebig erkunden, evtl. auch die Seitengalerien, die z.B. Ausstellungen zu Keramiken oder Kalligrafien beinhalten, besuchen und daneben noch so einige interessante Details entdecken zu können.

Chinesische Elefantenstatue
Der in einer anatomisch unmöglichen Position knieende Elefant symbolisiert die Macht des Kaisers, vor dem sozusagen selbst Elefanten den Kotau, den traditionellen ehrerbietigen Gruß erbringen

Die Verbotene Stadt

Weg aus Marmor
Beeindruckend: Der 250 Tonnen schwere mit Drachen und Wolken verzierte Marmorblock, der zur Halle der Harmoniewahrung hinaufführt
Mit Löwenköpfen verziertes Wassergefäß
Henkel von einem der über 300 Wasserbehälter im Palast, die für evtl. zu bekämpfende Brände stets mit gefüllt waren

Kunsthandwerk und ein Blick in die Vergangenheit

Insgesamt ist es kunsthandwerklich schon ein beeindruckender Komplex, aber mit den Unmengen an Leuten, die sich über die Plätze und durch die Gassen schieben, mag keine besondere Stimmung aufkommen, die man vermuten würde, wenn man die einst herausragende Bedeutung der Anlage bedenkt, die immerhin zwei Kaiserdynastien über fünf Jahrhunderte hinweg beherbergte. Vielleicht liegt es daran, dass es nur schwer möglich ist, einmal kurz innezuhalten und sich vorzustellen, wie es wohl gewesen sein mag, hinter diesen Mauern mit ihrem strengen Hofzeremoniell und all den Machtspielen und Intrigen zu leben. Sei es als Kaiser, der womöglich gar keine Vorstellung von seinem Reich hatte oder als eine der vielen Konkubinen des Kaisers, die übrigens in der Regel durch die Witwe des vorhergehenden Kaisers ausgewählt wurden und zum Teil selbst den Kaiser ihr Lebtag lang nicht zu Gesicht bekamen.

Fazit zur Verbotenen Stadt 

Andererseits fehlte mir vielleicht auch etwas die Verbindung zur Natur. So ist die Verbotene Stadt zwar nach den Regeln des Feng Shui angelegt, weswegen sowohl künstliche Wasserläufe als auch der Berg hinter der Verbotenen Stadt extra von Menschenhand geschaffen wurden, aber zumindest in den der Öffentlichkeit zugänglichen Bereichen sind Gärten und Grün eher rar gesät. Der Kaiserliche Garten selbst ist zwar sehr schön, aber lädt durch die Menschenmassen, die sich über die schmalen Pfaden schieben, nicht wirklich zum Verweilen ein.

Wer nach Peking kommt, sollte sich die Verbotene Stadt trotzdem nicht entgehen lassen, schon um sich einmal die monumentalen Ausmaße der Anlage vor Augen zu führen, die schließlich ein Inbegriff der chinesischen Zivilisation ist und einen Blick in die Vergangenheit der Hauptstadt und damit des Landes erlaubt.

Tipp: Ein Park mit Ausblick

Nach dem Verlassen der Verbotenen Stadt durch das Nordtor hatten wir uns entschlossen, noch in den Jingshan Park gleich dahinter einzutreten und den Aufstieg zu den Pavillons auf dem „Gipfel“ des Hügels anzugehen. Hier herrschte gleich eine ganz andere Atmosphäre mit Pärchen, die auf Bänken sitzend oder durch die Gegend schlendernd plauderten oder einer Gruppe von älteren Herrschaften die ausgelassen Karten spielten. Später im Frühjahr lassen sich im Park übrigens viele verschiedene Arten von Pfingstrosen bewundern. Schade, dass wir dazu noch etwas früh im Jahr dran waren, aber wer weiß, vielleicht kommen wir ja noch einmal rechtzeitig wieder.

Der Kaiserpalast von oben

Auf jeden Fall lohnte schon allein der Ausblick über die Verbotene Stadt und weitere Stadtgebiete den Aufstieg zu den Pavillons und rundeten den Besuch der Verbotenen Stadt perfekt ab.

Und damit erst einmal genug für heute. Bis zum nächsten Mal!

Ina

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