Chinareise: Shaolin-Kloster und tausende Buddhas

Nachdem wir uns die Tempel am Mount Cangyan angesehen hatten, sollte es auf unserer kleinen Chinareise weiter nach Luoyang gehen. Allerdings schien die Devise unserer Reise „kein Tag ohne Abenteuer“ zu sein und schon verpassten wir unseren Zug…
Da standen wir erst einmal da und waren uns sehr unsicher, wie es wohl weitergehen würde. Schließlich spricht in China, besonders außerhalb der größten Städte, kaum jemand Englisch und mit meinen Chinesischgrundkenntnissen kommt man in so einem Fall auch nicht weit. Mehr als schief gehen konnte es nicht und so haben wir einfach am nächsten Ticketschalter mit Hilfe von einer Übersetzungs-App angefragt, ob wir das Ticket auf den nächsten Zug tauschen können. Siehe da, die freundliche Bahnmitarbeiterin gab uns ohne Nachfragen und ohne eine Gebühr zu verlangen eine Fahrkarte für den Zug anderthalb Stunden später.  Da waren wir doch sehr positiv überrascht und die Chinareise konnte endlich weitergehen. 🙂

Willkommen in der Geisterstadt von Luoyang

Nach 2,5 Stunden kamen wir in der 6,5 Millionenmetropole Luoyang an. Zunächst sahen wir aber nur leerstehende Neubauten. Überall wurden noch neue Hochhäuser in die Höhe gezogen, aber nirgendwo schien irgendwer zu wohnen und geschäftlich wurden diese auch nicht genutzt. Eine Geisterstadt, so nennen es selbst Chinesen vor Ort. Ein Prestigeprojekt der Stadt wäre es und würde nur den Mietpreis nach oben treiben. Wohnen wird dort vermutlich nie irgendjemand. Wir schauen nur verwundert in die Häuserschluchten.

Die Gebäude sehen schön aus und sind dennoch ungenutzt
Der Anschein einer Stadt, aber die Gebäude sind alle noch leerstehend

Der Shaolin-Kloster

Am nächsten Morgen hieß es auf zum Shaolin-Kloster, genauer gesagt in das Ursprungskloster der Shaolin. Das Kloster ist ca. 55 km von Luoyang entfernt und kostet 100 CNY Eintritt (Stand 01/2017). Die Anfahrt war bei unserem Besuch leider nur mit dem Taxi möglich. So kamen wir wenigstens etwas schneller und ohne Umwege an das Ziel. Andererseits stand lange Zeit nicht fest, ob wir bei dem schwer lebensmüden Fahrstil unseres Taxifahrers überhaupt in einem Stück ankommen würden, aber zum Glück ging alles gut. Bei einer Chinareise lässt sich um waghalsige Autofahrten wohl kaum herumkommen.

Rote Gebäude und graue Dächer des Shaolin-Klosters

Beim Kloster angekommen, zog uns ein eisiger Wind um die Nase, sodass wir den Schal noch etwas enger um das Gesicht schnüren mussten. Wir schauten zunächst auf die Übersichtskarte und da gab es gleich mehrere Überraschungen. Das Kloster liegt gar nicht nur oben auf einem Berg, wie wir uns das immer vorgestellt hatten. Außerdem ist das gesamte Gelände des Klosters wirklich riesig. Wir hätten eigentlich noch einige Stunden mehr gebraucht, um die Anlage ausgiebig zu erkunden. Wahrscheinlich wären wir dann aber immer noch nicht überall hingekommen, vor allem, da wir kein Geld für die Seilbahn ausgeben wollten…

Eindrücke der Chinareise: Tempelpagode, Berglandschaft im Winter und kleines Gebäude mit zugewachsenem Dach

Ansonsten war es aber eine sehr hübsche Anlage, umgeben von einer herrlichen Berglandschaft.

Viele kleinere Stein-Pagoden
Pagodenwald

Tipp: Gleich nach den Besichtigungszeiten der Trainingshalle erkunden, um das nicht zu verpassen.

Longmen Grotten: über 100.000 Buddha-Statuen

Für den zweiten vollen Tag in Luoyang hatten wir uns einen Ausflug zu den Longmen Grotten vorgenommen. Diese buddhistischen Grotten, die sich durch über 2000 in den Felsen gehauene Nischen mit unzähligen Buddha-Statuen auszeichnen, gehören zu den berühmtesten Chinas. Praktischerweise sind sie sehr nah an Luoyang gelegen und waren mit dem Bus von unserem Hotel aus eigentlich schnell zu erreichen. Letztlich stellte sich aber selbst das als schwieriger heraus, als gedacht. Die Bushaltestellen waren zumeist nämlich nicht markiert. So verbrachten wir erst einmal eine halbe Stunde mit der Suche nach der richtigen Stelle, um überhaupt mit dem Bus fahren zu können. Dafür kostete der Bus dann nur 1,5 CNY (etwa 20 Cent) und da kann man sich ja nicht beschweren.

Die vielen Nischen und Buddha-Statuen der Longmen-Grotten

Wir hatten an dem Tag strahlenden Sonnenschein erwischt. Kaum angekommen, machten wir uns daher vergnügt auf den Rundweg zur Erkundung dieser ungewöhnlichen Sehenswürdigkeit. Viele der Statuen sind bereits durch Witterung und auch durch Menschenhand während der Kulturrevolution oder durch Kunsträuber beschädigt oder gar zerstört worden. Dennoch ist es beeindruckend zu sehen, welche kunsthandwerkliche Arbeit hier verteilt über 400 Jahre geleistet wurde.

Blick auf den einen Teil des Berges gefüllt mit Nischen und Buddha-Statuen

Ende der Chinareise?

Nach der Besichtigung der Longmen Grotten ging es abends zurück nach Peking. Zuvor lernten wir in einem Café noch ein sehr nettes chinesisches Pärchen kennen. Die beiden Studenten waren auf uns aufmerksam geworden, als wir uns auf Deutsch unterhielten. Er erzählte uns, dass er angefangen hat Deutsch zu lernen, da er später einmal in Deutschland studieren möchte. So begann ein sehr interessantes Gespräch und die beiden bestanden sogar darauf, uns noch zum Bahnhof zu begleiten. Allerdings erst nach dem sie mit sehr großer Überraschung festgestellt hatten, das wir nicht mit dem Taxi fahren, sondern die zehn Minuten zum Bahnhof tatsächlich laufen wollen. Ja, wir sind gelaufen 😀

Zurück in Peking war allerdings noch nicht Schluss mit unserer Chinareise, wie fleißige Leser der Montags-Updates vielleicht noch wissen. Nach einer Übernachtung im trauten Heim sollte es ja noch ganz weit in den Norden, in das eisig kalte Harbin gehen. Was es dort im Winter zu sehen und zu erleben gibt, dazu dann das nächste Mal mehr.

Bye bye und bis bald!

Ina