Chinas Norden: Ein Besuch in Shenyang

Industriekomplexe mit dampfenden Schornsteinen, Kohlekraftwerke und umweltverschmutzenden Stahl- und Eisenerzeugnisse, bildeten in der Region um Shenyang jahrzehntelang berüchtigte dunkle Wolken. Nirgendwo in China soll der Smog schlimmer, die Luft giftiger gewesen sein als hier. Noch immer macht die Stadt im Nordosten Chinas Schlagzeilen mit den besorgniserregendsten Luftwerten des Landes. Also warum in aller Welt wollte ich gleich noch mal dort hin?

Ausblick vom Hotel über die Stadt bei Tag

Anreise

Das ist ein klarer Vorteil an Shenyang, die Anreise ist von Peking aus sehr einfach und bequem. Es gibt dabei zwei Möglichkeiten:

  • Mit dem Flugzeug: Täglich fliegen diverse Maschinen, z.B. von Air China oder China Southern, zwischen Peking und Shenyang hin und her. Die Flugzeit beträgt ca. 1,5 Stunden, wobei auf der Strecke gern einmal Verspätungen passieren oder Flüge gar abgesagt werden. Im Normalfall ist letzteres aber nicht allzu schlimm. Die Airline steckt einen dann einfach in den nächsten Flieger, der zwei Stunden später oder ähnliches fliegt.
  • Mit dem Zug: Ich bin ebenfalls mit der Bahn angereist, da es natürlich günstiger ist, als zu fliegen. Der Zug braucht dabei etwa fünf Stunden und ist modern, sauber und auch in der zweiten Klasse sitzt es sich bequem mit genügend Platz – sehr zu empfehlen! Tickets gibt es z.B. über Ctrip.

Shenyang allgemein

Im Nordosten des Landes gelegen, war Shenyang einst Hauptstadt der Mandschurei und damit einige Zeit lang Kaisersitz. Heute ist die fast 5-Millionen-Metropole vor allem das wirtschaftliche Zentrum der Region. Das Klima zeigt sich feuchtheiß im Sommer, während der Winter trocken und bis zu -30°C kalt ist. Die beste Reisezeit ist also April bis Juni und September, Oktober. Mit November hatte ich somit nicht gerade den optimalen Zeitpunkt erwischt. Dafür war weniger los und zu meinem Glück hatte es sogar geschneit, das hat ja auch immer etwas. Ansonsten war der erste Eindruck wie vielerorts in China: Traditionelle Wohngegenden sind bereits vor längerer Zeit mehrstöckigen Betonbauten gewichen und es wird immer noch weiter gebaut. Hier und da qualmt es aus großen Schornsteinen und auf den Straßen staut es sich. Nichtsdestotrotz bot auch das Stadtleben einige interessante Ansichten, vor allem von unserem Hotelzimmer hoch oben.

Ausblick vom Hotelzimmer auf die Lichter von Shenyang bei Nacht

Nachdem wir den Abend gemütlich mit einem Spaziergang durch einen angrenzenden Park und einem netten Abendessen hatten ausklingen lassen, sollte es am nächsten Tag etwas vom „alten“ Shenyang zu sehen geben.

Die verbotene Stadt

Los ging es mit dem Sightseeing in der „Verbotenen Stadt“ Shenyangs bzw. dem Mukden Palast, dem einzigen Kaiserpalast außerhalb Pekings.  Das klang schon einmal ganz interessant, obwohl ich ja zugegebenermaßen kein allzu großer Fan der echten „Verbotenen Stadt“ in Peking bin.  Zunächst ging es aber mit der U-Bahn Linie 1 bis zur Haltestelle Zhong Jie (Middle Street) und von dort zu Fuß zum Palast. Der Eintritt war mit 60 RMB (Nov 2016) vergleichsweise teuer, da für den wesentlich größeren und bekannteren Kaiserpalast in Peking immerhin ebenso viel verlangt wird. Allerdings war ich letztlich positiv vom Mukden Palast überrascht, denn dieser kann nicht nur mit wesentlich weniger Menschenmassen punkten, sondern auch mit einer wirklich hübschen und abwechslungsreichen Palastanlage und interessanten Ausstellungsstücken in den als Museum genutzten Räumen.

Rotes Gebäude mit orangenem Dachen und goldenen Drachen als Verzierung

Einblick in die rot-grauen Gebäude des Kaiserpalastes

Wer nicht gerade viele Fotos macht und sich auch im Museum nichts genauer anschauen mag, der braucht nur ca. eine Stunde für den Palast einplanen. Ich hatte die Chance allein unterwegs zu sein allerdings ausgiebig genutzt und so den ganzen Vormittag mit dem Fotografieren von allen möglichen großen und kleinen Dingen im Palast zugebracht.

Beiling Park

Nachmittags ging es für mich dann mit der U-Bahn-Linie 2 (Stopp: Beiling Park) weiter in den Beiling Park, eine wirklich große Parkanlage, die dazu noch das Zhaoling Grab beinhaltet. Hier ließ sich schön entlang von mehreren Seen spazieren und die Sonne des Tages genießen. Dazu gab es ein paar schöne Ansichten der Grabanlage des zweiten Qing-Kaisers.

Eingangstor zum Beiling Park

Nach der ganzen Zeit draußen im Freien war ich dann aber doch ganz ordentlich durchgefroren. In all den Sehenswürdigkeiten gibt es keine beheizten Gebäude, das sollte bei der Planung in der kälteren Jahreszeit mit berücksichtigt werden.

Blick auf die Grabanlage im Beiling Park

Essen In Shenyang

Unter den Restaurants in Shenyang ist Casey’s Diner unter den Westlern aufgrund seiner guten Burger sehr beliebt. Auch das Black Sheep soll eine sehr leckere Burger-Auswahl bieten können. Für ein interessantes Esserlebnis, All-you-can-eat und japanische Spezialitäten vom Grill ist das Tairyo Teppanyaki zu empfehlen. Wem es womöglich nach einiger Zeit unterwegs in China geschmacklich nach etwas Heimat gelüstet, der findet vernünftige deutsche Küche und vor allem deutsches Bier im Lenbach Beer House. Wie immer gilt aber auch hier, von der deutschen Küche sollte man in China nicht allzu viel erwarten. Zu chinesischen Restaurants kann ich leider hier gar nichts schreiben, denn irgendwie hatten wir nur die Restaurants zum Abgewöhnen in der Kategorie erwischt. Für weitere Anregungen werdet ihr auf Tripadvisor fündig.

nützliche Infos und Apps

Wer in Shenyang unterwegs ist, sollte bedenken, dass Wi-Fi hier nicht allzu oft zur Verfügung steht. Außerdem sind Google, Facebook und YouTube in China gesperrt und damit nur über einen VPN (Virtual Private Network) zugänglich. Wer dennoch auf die entsprechenden Seiten zugreifen möchte, der sollte sich vorab einen VPN installieren. Oft werden Probemonate angeboten, sodass es für den Urlaub im Land der Mitte sogar kostenlos zu nutzen geht. Wir benutzen schon länger Astrill und sind damit ganz zufrieden.

Ansonsten ist es zu empfehlen, eine Karte der Stadt offline auf dem Handy abzuspeichern, um sich unterwegs gut orientieren zu können. Wer Android nutzt, sollte das auch vor dem Chinaaufenthalt tun. Wie gesagt, Google wird blockiert und damit ist auch der Google Playstore zum Downloads von Apps ohne VPN nicht erreichbar. Mögliche Optionen für den Download der Stadtkarte bietet Google mit der Funktion Karten offline zu speichern oder Apps wie Tripadvisor und CityMaps2go.

Fazit

Für sich genommen ist Shenyang kein allzu interessantes Reiseziel. Auch bei einer Chinarundreise gibt es für einen ersten Einblick in das Land lohnendere Ziele. Wer allerdings in der Gegend ist oder auf der Suche nach einem kleinen Ausflug von Peking oder anderen Städten im Nordosten aus, für den ist ein genauerer Blick eine Überlegung wert. Ein Wochenende ist dabei für den Besuch der Stadt an sich vollkommen ausreichend.

Ich hatte auf jeden Fall eine schöne Zeit in Shenyang und konnte mir wider Erwarten viele positive Impressionen von der sich stetig weiterentwickelnden Metropole mitnehmen.

Bye bye und bis bald!

Ina

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