Decluttering: Zeit das Leben zu entwirren

Im Frühjahr fühlt sich alles irgendwie neu an. Das alte Jahr ist schon eine Weile vorbei und der Winter hinterließ karge Böden und kahle Bäume. Mit dem neu sprießenden Grün überall, macht die Umwelt gleich einen ganz frischen Eindruck. Eine gute Zeit für etwas Erneuerung und dafür, alten Ballast endlich hinter sich zu lassen. Auch ich habe mir diese Zeit zum Anlass genommen, mich von einigen Altlasten zu befreien. Hier und da hört man dazu den Begriff „Decluttering“ oder auf Deutsch „entwirren, entrümpeln, Ordnung schaffen“. Also los geht’s!

Rhododendron Blumen

Mit Erblühen der ersten Frühjahrsblumen einmal durch die ganze Wohnung zu putzen, aufzuräumen und ordentlich durchzulüften, ist zunächst einiges an Aufwand, aber es hinterlässt ein richtig gutes Gefühl. Warum aber nur die Oberflächen in der Wohnung mit einer Generalüberholung bedenken? Vielleicht gibt es daneben noch so einige andere Dinge, die einmal auf den Prüfstand sollten mit der Frage: „Brauche ich das noch? Sollte ich weiterhin daran festhalten oder tue ich mir einen gefallen, das endlich loszulassen?“ Es gibt so viele Dinge, aber ebenso Emotionen und vielleicht sogar Beziehungen, die uns eigentlich gar nicht mehr guttun, uns ablenken und zurückhalten. Ab und zu würde auch in unserem Leben ein „Frühjahrsputz“ helfen. Dieses Jahr hatte ich durch meine Lebensumstände (Umzug von China nach Deutschland) das Glück, dass ich die beste Gelegenheit dazu erhalten habe und sie nur noch nutzen musste. Ich war sehr überrascht, wie viel dadurch noch einmal aufgewühlt wurde an Erinnerungen und Emotionen, aber anschließend blieb ein erfrischendes Gefühl, gleich etwas leichter zu sein. Dabei lässt sich übrigens ganz einfach starten:

Kleiderschrank oder Kleidersammlung?

Gut, einfach ist das nicht immer. Alle Shirts, Hosen, Röcke usw. einmal durchzugehen und sich von Kleidungsstücken zu trennen, die man schon Jahre nicht mehr getragen hat, die einem nicht mehr Gefallen oder die trotz Beschädigungen vielleicht einfach im Schrank liegen geblieben sind, ist dennoch eine lohnenswerte Aktion. Nicht nur, dass es Platz schafft im Schrank, sondern, ich glaube, es hilft auch ein Stück weit, sich weiterzuentwickeln von dem Menschen, der man damals war, als man die alten Sachen noch trug, hin zu der Person, die man nun sein möchte. Eine schöne Anleitung, um den Klamottenberg effektiv auszumisten, findet ihr übrigens hier bei Ann-Christin von Fashion Kitchen.

Schönes Andenken oder Reif für den Papierkorb?

Für mich war dieses Jahr besonders von Bedeutung meine ganzen Unterlagen einmal komplett durchzugehen – angefangen von alten Ordnern bis hin zu Jahre alten Tagebüchern. Zunächst war ich echt überrascht, was ich doch tatsächlich alles aufgehoben hatte. Dank meiner Eltern stand mir, selbst wenn ich nur eine Ein-Raum-Wohnung mein Domizil nennen konnte, immer genügend Lagerplatz für all meinen Zettelkram zur Verfügung. Nun war es an der Zeit sich dem anzunehmen und zu entscheiden, ob ich die Sachen wirklich noch brauche bzw. sie für mich noch irgendeinen sentimentalen Wert besitzen.

Decluttering Unterlagen und Notizen

Wie bin ich dabei vorgegangen?

1. Vorbereitung

Zunächst habe ich mir einen groben Überblick über meine Ordner verschafft. Es waren ja auch wichtige Dokumente, wie Versicherungsunterlagen etc. dabei, die nicht aussortiert, sondern eher geordnet werden mussten. Wichtige Frage dabei: Habe ich bereits einen Ordner, der gut sortiert ist und aus dem nur veraltete Unterlagen entfernt und bisher fehlende hinzugefügt werden sollten oder muss ich alles neu machen? Je nachdem, solltet ihr Ordner, Register und Stifte zur Beschriftung/Markierung parat halten. Legt euch auch Locher, Tacker und Büroklammern zurecht und stellt euch einen großen Papierkorb bzw. eine Kiste zum Sammeln des Papiermülls dazu.

2. Sich Zeit nehmen

Ich habe meine Aufräumaktion gestartet, als ich allein zu Hause war und nichts weiter geplant hatte. Trotzdem kann man es sich etwas gemütlich dazu machen. So habe ich mich mit einem Kaffee (abends mit einem Gläschen Wein) auf die Couch gesetzt und nebenbei etwas Musik gehört. Auch vom Fernseher könnt ihr euch berieseln lassen, wenn es nicht zu sehr ablenkt. Wenn es um gemeinsame Unterlagen geht oder beide Partner einmal ausmisten müssen, kann es natürlich zusammen bei einem netten Gespräch gleich noch leichter von der Hand gehen. Und wenn das immer noch nicht ausreicht, euch zum Aussortieren zu animieren, dann überlegt euch doch noch eine kleine Belohnung für den Abschluss 😉

3. Den Berg auftürmen

Los ging es mit einem Haufen. Ich habe zunächst einmal alles zusammengesucht, was sich an Ordnern, alten Heften, Geburtstagskarten, Notizen und Co. finden ließ. Da kam schon ein ordentlicher Berg zusammen! Das mag erst einmal etwas abschreckend wirken, das alles durchgehen zu müssen. Andererseits, könnt ihr euch dabei auch fragen, ob ihr das wirklich alles ewig behalten wollt, wenn es womöglich doch nur Platz raubt. Und wenn ein paar schöne Erinnerungsstücke dabei sind, hätten die dann nicht eine schönere Aufbewahrung verdient, als zwischen all dem Papiermüll in irgendeiner Schublade? Für mich war es positiv diesen Zettelberg vor mir zu sehen, denn solange alles nur verteilt hier und da lag, hatte ich mir gar nicht wirklich klarmachen können, was sich über die Jahre doch angesammelt hatte und wie viel Platz dadurch in der Wohnung vereinnahmt wird. So wusste ich jedoch, es ist höchste Zeit zum Ausmisten!

4. Das eigentliche Decluttering

Nun gilt es sich wirklich an die Arbeit zu machen und alles einzeln durchzugehen. Ich habe mit Versicherungsunterlagen und dergleichen angefangen, da es dabei besonders einfach ist, Altes auszusortieren und Aktuelles nach Themen zu ordnen und einzuheften. Etwas schwieriger wurde es anschließend mit dem Rest. Ich habe mir die Zeit genommen wirklich alles durchzulesen – jede Karte, jede Notiz. Dann habe ich drei Stapel gebildet:

  1. Kann weg
  2. Muss ich mir noch überlegen
  3. Ist mir immer wichtig/eine schöne Erinnerung

Die Sachen bei denen ich mir nicht sicher war, habe ich mir ganz zum Schluss noch einmal angeschaut. Dabei fragte ich mich, ob ich das wirklich noch brauche. Würde ich mir die Sachen gern irgendwann wieder anschauen/durchlesen wollen? Verknüpfe ich damit schöne Erinnerungen? Wenn ja, dann habe ich es behalten, wenn nicht, dann flog es auf den Müll.

5. Fazit nach einem Abend im Zettelkrieg

Überraschenderweise fiel mir die Entscheidung bei den meisten Unterlagen doch recht leicht und ich habe viel weggeworfen, selbst bezüglich der Tagebücher. Die Probleme von damals sind längst Vergangenheit und ich habe keinen Grund daran noch festzuhalten. All die schönen Erinnerungen, die noch irgendwo darin steckten, trage ich ohnehin mit mir und den Rest habe ich bereits hinter mir gelassen. Bei einigen alten Aufzeichnungen hatte ich sogar das seltsame Gefühl, ich würde einen Blick in ein vergangenes Leben werfen. Bin das wirklich ich gewesen? Ja, all das, was ich da las, war ich und es hat mich mit zu der Person gemacht, die ich heute bin. Andererseits ist es gut und ich bin unglaublich froh, dass ich mich seitdem weiterentwickeln konnte.

Für einige Tage muss ich zugeben, habe ich sehr unruhig geschlafen, viel geträumt und auch tagsüber häufig noch darüber nachgegrübelt. Ein Zeichen, dass ich wohl noch einiges damit zu verarbeiten hatte, mehr als gedacht. Genau aus diesem Grund bin ich aber umso dankbarer, den Schritt gemacht zu haben. Die Sachen wegzuwerfen und somit auch symbolisch zu guter Letzt endgültig mit den Lebensabschnitten von damals abzuschließen, war ein befreiendes Erlebnis. So, als würden die schönen Momente von damals im Herzen noch bei mir bleiben, aber der Rest braucht mich nun nicht mehr zu belasten.

Emotional Decluttering: Auch Immaterielles lässt sich Aufräumen

Was wir mit unseren Besitztümern machen können, geht übrigens ebenso mit unserer Gedanken- und Gefühlswelt. Auch hier lässt sich alles einmal genau unter die Lupe nehmen und der Frage aussetzen, ob uns diese Gedanken und Gefühle tatsächlich guttun, noch weiterbringen oder anderweitig bereichern. Sicherlich ist das schwieriger als Gegenstände zu sortieren und auszumisten. Daher finde ich es gut zunächst mit Kleidung und Co., also langsam, anzufangen. Manchmal kommt, wie bei mir mit den alten Unterlagen, sogar eine Möglichkeit von alten Denkmustern oder Emotionen loszulassen von allein dazu. Ich hatte es für mich daher zunächst dabei belassen. Wer sich allerdings gezielt mit Emotional Decluttering beschäftigen möchte, dem sei dieser Post hier von Julia auf Jane Wayne empfohlen. Eigentlich ist das Vorgehen dabei gar nicht allzu verschieden zu dem oben Beschriebenen. Auch hier gilt es sich zunächst allem bewusst zu werden, was man derzeit an Gedanken und Gefühlen mit sich trägt, z.B. indem alles zu Papier gebracht wird. Der Überblick am Anfang ist besonders wichtig, um einen Ausgangspunkt für das Decluttering zu schaffen. Das anschließende (Aus)Sortieren gestaltet sich etwas schwieriger, denn leider hat unser Gehirn keinen Papierkorb wie ein Computer. Aber sich all der Gedanken und Gefühle bewusst zu werden, kann schon allein zu der ein oder anderen Erkenntnis beitragen und somit helfen alte Probleme vielleicht endlich hinter sich zu lassen oder zumindest zu erkennen, warum sie einen immer noch begleiten.

Beste Zeit zum Decluttering: Frühling!

Egal, ob ihr nur etwas im Kleinen ausmistet, sei es altes Spielzeug, euren PC oder die Werkzeugkiste, oder gar alte Emotionen und Gedankengänge auf den Prüfstand stellt, jetzt, wo die Natur dabei ist, zu wachsen, sollten wir uns ebenfalls ein Stück weiterentwickeln. Pflanzen trauern schließlich auch nicht ihren verdorrten Blättern von früher nach, sondern treiben lieber neue aus. Und ein herrliches Gefühl ist es allemal, Platz für Neues zu schaffen, um uns herum und in uns.

Was sind eure Erfahrungen zum Thema? Wann habt ihr das letzte Mal so richtig gründlich aufgeräumt? Macht ihr das vielleicht sogar regelmäßig oder fällt es euch eher schwer? Ich freue mich von euch zu hören! 🙂

Liebe Grüße

Ina

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