Die Japanischen Alpen: Der problematische Aufstieg am Mount Norikura

… oder wie wir uns unvorbereiteter Weise durch Schneefelder kämpften. Ja, die Planung ließ etwas zu wünschen übrig (Asche auf mein Haupt), schließlich sind selbst im Juni noch so einige der über 3000m hohen Berge in den Japanischen Alpen schneebedeckt. Aber zurück zum Anfang der Geschichte.

Nach unserem kurzen Zwischenstopp in Matsumoto machten wir uns per Zug und vor allem Bus hinauf in die Berge der Japanischen Alpen. Das Landesinnere Japans ist dabei immer wieder ein unglaublicher Gegensatz zu den großen Metropolen wie Tokyo und Osaka. Je weiter man in die Berge der Japanischen Alpen vordringt, desto kleiner werden die Ansiedlungen und umso häufiger sind nur noch Wälder zu sehen. Wir übernachteten im Guesthouse Raicho in einem verschlafenen kleinen Ort auf dem Hochlandplateau Norikura Kogen. Da wir im Juni, genau zur Regenzeit, unterwegs waren, hatten wir die ruhigste Zeit im Jahr erwischt.

Ausblick beim Wandern in den Japanischen Alpen

Bärenglocken?!

Der Betreiber unseres Guesthouses, Yuma, kannte sich sehr gut in der Gegend aus und stand uns zum Thema Wanderungen mit Rat und Tat zur Seite. Am ersten Tag wollten wir gern auf den 3.026m hohen Mount Norikura, wobei uns Yuma warnte, dass es da oben immer noch das ein oder andere Schneefeld gäbe. Wir wollten trotzdem schauen, wie weit hinauf wir wohl gehen könnten und so wanderten wir vom Guesthouse aus los. Eines hatte uns Yuma allerdings noch mit auf den Weg gegeben: Die Bitte, überall an den Bärenglocken zu läuten. Dass es in den Japanischen Alpen Bären gibt, wussten wir bereits, aber von Bärenglocken im Wald hatten wir noch nichts gehört. Nun Vorsicht ist besser als Nachsicht, daher haben wir brav geläutet.

Breiter Wasserfall unterwegs

Bergsee umgeben von Bäumen vor schneebedeckten Bergen

Erdrutschgefahr

Zunächst ging es bei angenehmen Temperaturen durch Wälder und vorbei an einem Bergsee, Flüssen und Wasserfällen immer weiter hinauf. Wir genossen die frische Luft, das Zwitschern von Vögeln und den Anblick der vielen Blau- und Grüntöne im kristallklaren Flusswasser. Dann und wann trafen wir unterwegs ein paar japanische Wanderkollegen, aber insgesamt war es doch sehr ruhig. Am Fuße eines Skiliftes stießen wir allerdings auf unser erstes Problem. Ein entgegenkommender Mann bedeutete uns, dass wir auf dem Weg nicht weitergehen könnten. Er sprach nur Japanisch und benutzte einige Worte, die mir zunächst nichts sagten, aber nach etwas Rätselraten war klar, dass es wohl aufgrund der Erdrutschgefahr keine gute Idee wäre, die geplante Route zu nutzen. Umkehren wollten wir aber auch nicht, also entschieden wir uns für einen anderen Weg, der uns ebenfalls bis zur weiterführenden Route weiter oben am Berg bringen würde. Dummerweise ging es dazu über den Skihang und damit einfach nur mitten in der Sonne steil nach oben… Das Wegstück hatte mich doch ganz schön geschafft, aber immerhin wurden wir mit einer ersten schönen Aussicht über die Gegend belohnt.

Blick über die Berge

Ist das der richtige Weg?

Anschließend ging es weiter, teilweise über die Straße, die zu einem Parkplatz ein Stück unterhalb des Gipfels führte, teilweise über Waldwege, die steil nach oben verliefen. Die Landschaft um uns herum änderte sich bereits langsam und es waren zunehmend nur noch Nadelgehölze und zwischendurch auch kahlere Geröllfelder zu sehen. Die Temperaturen wurden ebenfalls spürbar frischer, je weiter wir uns am Berg hinaufarbeiteten. Der Weg folgte hier längere Zeit einem kleinen Bach, wobei Tom dann und wann unsere Position per GPS-Signal auf dem Handy checkte. Nun lagen inzwischen hier und da auch kleine Schneereste am Hang, die weiter oben jedoch von immer größeren Schneefeldern abgelöst wurden. Und plötzlich standen wir genau vor solch einem Feld, als eigentlich hätte der Weg vor uns sein sollen. An den kleinen Kieferbäumen und Büschen sahen wir aber immer noch die roten Markierungen, die den richtigen Pfad anzeigten, und gingen daher entschlossen weiter.

Schneefelder beim Aufstieg auf den Mount Norikura

Durch Schnee und Gestrüpp

Der Schnee wurde allerdings nicht weniger und die Vegetation wurde stellenweise immer dichter, so dass es zunehmend schwieriger wurde den richtigen Weg auszumachen, bis wir gar nicht mehr wussten, was eigentlich der Weg war und was nicht. Da standen wir aber schon mitten drin im Schlamassel. Wir wussten zwar einerseits, dass wir weiter oben wieder auf die Straße treffen würden und diese auch nicht mehr weit entfernt sein konnte (laut Google einfach geradeaus weiter oben), aber bis dahin lag unwegsames Gelände vor uns. Andererseits waren wir durch Schnee und Gestrüpp wohl schon länger nicht mehr auf dem eigentlichen Weg und der Rückweg somit nicht weniger einfach zu finden. Wir entschieden letztlich uns bis zur Straße hinauf durchzuschlagen, denn ab da könnten wir ja direkt auf der freigeräumten Straße weiterlaufen und hätten damit einen sicheren Weg. „Durchschlagen“ war allerdings das richtige Wort, denn die Büsche und Kiefern wuchsen immer dichter, so dass wir uns regelrecht durch das Unterholz kämpfen mussten. Zwischendurch kam dann noch ein sehr steiler Anstieg über ein Schneefeld dazwischen, bei dem sich nicht vermeiden ließ, die Hände mit zu benutzen, was sich ohne Handschuhe im Schnee natürlich wunderbar machte… Nach einigen düsteren Gedanken zum Thema Erfrierungen meinerseits, schafften wir es das Schneefeld zu überwinden und mit stark schmerzenden Fingern ging es weiter durch die Büsche. So hatten wir uns das nun nicht vorgestellt, aber wir kämpften uns durch und fanden die Straße zum Glück genau da vor, wo sie auch sein sollte. Endlich, welch eine Erleichterung!

Ina vor einer drei Meter hohen Schneewand

Zurück in der Zivilisation

Da sind wir richtig schlecht vorbereitet gewesen und hatten uns auch von Yumas Tipp Schneeausrüstung mitzunehmen nicht abbringen lassen. Also so viel zum Thema, wie man nicht Wandern sollte… Rechts und links der Straße, der wir noch bis zum Parkplatz weiter folgten, wurden die Schneewände immer höher und es war nun endgültig klar, dass wir es an diesem Tag nicht bis zum Gipfel schaffen würden. Vom Parkplatz aus wäre der Aufstieg auch wirklich nur über ein großes Schneefeld möglich gewesen und das ging ohne entsprechende Ausrüstung nicht zu machen. Zumindest ließen uns die vorbeiziehenden Wolken einen kurzen Blick auf den Gipfel erhaschen und irgendwie hatte ich trotzdem das Gefühl, dass wir es geschafft hatten, wenn auch nicht auf den Gipfel selbst, aber immerhin raus aus Schneefeldern und Unterholz zurück in die Zivilisation 😉

Verschneiter Gipfel des Mt. Norikura
Letzter Blick auf den Gipfel

Das schönste Erlebnis an diesem Tag sollte allerdings erst zurück in der Herberge folgen. Da wir insgesamt eine wirklich tolle Zeit im Guesthouse Raicho hatten, gibt es dazu allerdings einen eigenen Post. Zudem war das nicht unsere einzige Wanderung in den Japanischen Alpen, also bleibt gespannt.

Bye bye und bis zum nächsten Mal!

Ina

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