Update September: Es wird schlimmer, bevor es besser wird

Ja, mit dem Update bin ich spät dran, sehr spät. Und auch sonst war es enorm ruhig hier. Das allerdings nicht ohne Grund. September, das war ein sehr zäher Monat für uns. Viel Arbeit, viel Zeit allein und vor allem die große Frage, wie kann etwas beruflich weitergehen – sollte es weitergehen – wenn es einen kaputt macht.

Noch immer fällt es mir ehrlich gesagt etwas schwer, zu schildern, was bei uns im September so los war. Einfach weil es mich teilweise immer noch wütend macht, wenn ich darüber nachdenke. Andererseits bin ich froh, dass das Kapitel „Mindestens alle zwei Wochen Dienstreisen nach Südafrika“ für meinen Freund endlich abgeschlossen ist und ich daher eigentlich gar keinen Elan mehr habe, noch einmal darüber zu schreiben. Ich möchte die Zeit hinter mir lassen, möchte mich wieder erfreulicheren Dingen zuwenden.

Allerdings wollte ich hier andererseits auch keine riesige Lücke klaffen lassen und mit etwas Abstand und mehreren Textkorrekturen kann ich vielleicht doch noch eine Zusammenfassung der Ereignisse geben, ohne zu sehr ins Detail zu gehen.

Hier nun aber die Geschichte von vorn:

Der Anfang: Grund zum Feiern auf Arbeit

Zunächst war ja noch alles beim Alten: Mein Freund war gerade einmal wieder zwei Wochen in Deutschland. Wir machten jeder unsere Arbeit, gingen danach mal Joggen oder trafen uns mit Freunden. Bei mir auf Arbeit ging es auch gleich gut los mit der 100-Jahr-Feier des Unternehmens in einem schönen Restaurant im Grünen mit superleckerem Buffet. Für mich vor allem eine gute Gelegenheit, um ein paar Kollegen etwas besser kennenzulernen und auch über das Unternehmen noch einiges dazuzulernen.

Nur ein paar Tage später fand in Chemnitz der Firmenlauf statt. Da war ich mit dabei und habe die Chance genutzt einmal auf Zeit zu laufen. Von den Bestzeiten war ich natürlich weit entfernt, aber für mich persönlich konnte ich eine Bestmarke aufstellen und damit war ich sehr zufrieden.

Mitte des Monats: Die ersten Turbulenzen

Für Tom ging es wieder zurück nach Südafrika und dort dauerte es nicht lange und enormer Stress mit sehr langen Arbeitstagen waren für ihn angesagt. Nach den ersten Tagen vor Ort tauchten dann unerwartete Probleme auf. Manchmal kommt irgendwie alles zusammen und man könnte fast meinen, die Welt hat sich gegen einen Verschworen. Ganz egal, wie sehr man sich dann auch bemüht, wie hart man arbeitet und was man auch tut, es hilft scheinbar nichts. Es sah nach einer schwierigen Situation aus, die sich so schnell wohl nicht geben würde. Noch lautete das Motto jedoch „Zähne zusammenbeißen“.

Bei mir stand auch die Arbeit an vielen Tagen im Vordergrund. Irgendwie war ich einfach zu kaputt und müde, um mich daneben noch um viel kümmern zu können. Vielleicht lag es daran, dass ich mich etwas wie krankwerden fühlte. Es gab viel zu tun, aber ich kann mich eigentlich nicht beschweren. Bis auf den Freitag, an dem ich von einem unserer Dienstleister am Telefon angeschrien wurde, weil ich entweder eine Frage zu viel gestellt oder ein Mal zu oft daran erinnert hatte, dass uns auch nach Wochen immer noch nicht die benötigten Unterlagen zugegangen sind. Meine Chefin, die das Zimmer neben mir hat und zu dem die Durchgangstür fast immer offen steht, hat mich im Nachhinein gelobt und gemeint, es wäre gut, dass ich so ruhig wäre. Sie erzählte mir zudem, dass ich nicht die erste bin, die schlechte Erfahrungen mit diesem Dienstleister macht, nur das ein Wechsel leider nicht so einfach ist. Ich musste danach schon erst einmal etwas nach Luft schnappen und war froh, dass anschließend das Wochenende anstand.

Abwärtsspirale

Da dachte ich zunächst noch, wir müssten nur noch eine Woche durchziehen und dann könnten wir ja erst einmal im Urlaub etwas abschalten. Zu dumm, dass die schlimmste Woche erst noch kommen sollte. Die Woche, in der mein Freund kaum ansprechbar war, weil er nur noch arbeitete und weil es nur noch Stress, nur noch Zoff auf Arbeit gab. Ich war weit weg, wusste nicht genau um die Situation vor Ort. Ich wusste nur, dass ich ihn noch nie so müde, abgespannt, deprimiert und fast resigniert erlebt habe. Ihn, der schon lange das immer wieder stressige Projektgeschäft seiner Arbeit gewohnt ist. Der auch in Deutschland und vor allem in den Anfängen, nachdem wir nach Peking gegangen waren, beruflich auch wirklich anstrengende Zeiten hinter sich hat. Dieses Ausmaß war neu und, ich will ehrlich sein, es war für mich vor allem besorgniserregend. Von Tag zu Tag wurde es zudem nicht besser, sondern scheinbar nur schlimmer – kein Licht am Ende des Tunnels. Und dann hieß es plötzlich, unser Urlaub sollte gestrichen werden – nur wenige Tage vor Abreise. Wirkliche Gründe, warum wir die ersten freien Tage seit Anfang Februar hätten streichen sollen, waren dabei allerdings nicht ersichtlich…

Monatsende: Ein Silberstreif am Horizont

Zum Glück sahen die Chefs meines Freundes in Deutschland die Sache etwas anders als der Projektleiter in Südafrika und er durfte den Urlaub letztlich nehmen. Die Frage war nur, wie würde es nach dem Urlaub weitergehen. Ich hoffte, es würde die Möglichkeit für meinen Freund geben, aus dem Projekt auszusteigen. Bereits einige Zeit vorher war davon gesprochen worden, dass das im Oktober/November so weit sein könnte und ich wollte mir ehrlich nicht vorstellen, er würde länger im Projekt bleiben müssen. Ich machte mir inzwischen doch ernsthaft Sorgen.

Strand Mauritius

Zunächst einmal flogen wir allerdings in den Urlaub, nach Mauritius um genauer zu sein. Wir versuchten in der letzten Septemberwoche etwas herunterzukommen, viel zu schlafen, gut zu essen und vor allem, keinen Stress zu haben. Wir hörten nun doch etwas vom Ausstieg aus dem Projekt und auch wenn alles nicht gerade so gelaufen war, wie gewünscht, war das doch ein Silberstreif am Horizont. Wir würden also wieder hoffnungsvoller in den Oktober starten können. Und zugegeben, es gibt schlechtere Orte, um auf positive Nachrichten zu warten als ein puderfeiner Sandstrand 😉

Bye bye und bis bald

Ina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.