Faszination Vulkan: Ein Strom aus Lava

Vulkane – furchteinflößend und faszinierend zugleich – schufen Sie paradiesische Inseln oder machten ganze Städte dem Erdboden gleich. Auf Hawaii lässt sich diese Naturgewalt aus sicherer Entfernung mit eigenen Augen erleben, nicht nur als schlafender Kegel, sondern womöglich gar als glühend rot, strömende Lava.

Es war unser zweiter Tag im Hawaii Volcanoes National Park (die Erlebnisse vom ersten Tag findet ihr hier). Die Sonne schien, nur vereinzelt zogen harmlose Wolken über den herrlich blauen Himmel. Die Spannung stieg, was uns wohl im Nationalpark erwarten würde und ob wir das Glück haben würden, fließende Lava zu erspähen. So viel sei schon einmal verraten, es sollte ein denkwürdiger Tag werden!

Wanderung zum Mauna Ulu/Pu’u Huluhulu

Wir hatten uns die Wanderschuhe angezogen, viel zu trinken und Sandwiches für unterwegs in die Rucksäcke gepackt und machten uns auf den Weg. Gut gelaunt ging es voran durch sich lichtende Wälder und größer werdende Lavafelder. Das Wetter hätte für eine Wandertour wirklich nicht schöner sein können und es fühlte sich richtig gut an, draußen unterwegs zu sein.

Solche Steinhaufen, sogenannte Ahu, wurden schon von den alten Polynesiern als Wegesmarkierung oder zum Gedenken genutzt und finden sich auch heute auf den Pfaden des Nationalparks
Markierung entlang des Weges

Am Wegesrand finden sich am Anfang eines ausgeschilderten Pfades oft kleine Kästen mit Infobroschüren, die interessante Informationen über die Umgebung enthalten. Dadurch wurden wir auf Stellen aufmerksam, in denen sich Löcher im Boden befanden, die entstanden als die Lava einst Bäume umfloss, die zu Asche verbrannten und dabei die Löcher hinterließen.

Lavaformationen

Auch auf das Mineral Olivin, dass teilweise in der schwarzen Lava eingeschlossen ist. wurden wir so erst aufmerksam. Kleine grüne Steinchen, die nur bei genauerer Betrachtung im dunklen Lavagestein auffallen. In größerer Menge findet sich das Mineral dagegen am Green Sand Beach, durch den der Sand einen charakteristischen Grünstich erhält.

Grüner Sand
Sand gemischt mit grünem Olivin

Die Wanderung gestaltete sich sehr angenehm, da es den Großteil der Strecke nur gemächlich auf und ab ging. Nur wer zu einem Aussichtspunkt auf dem Pu’u Huluhulu gelangen wollte, musst etwas länger bergauf wandern. Als Belohnung für den nicht allzu langen Aufstieg gab es einen tollen Rundblick und Aussichten auf den dampfenden Vulkan Pu’u O’o.

Ausblick über die Vulkanlandschaft

Fahrt entlang der Chain of Craters Road

Zurück von der Rundtour zum Mauna Ulu ging es mit dem Auto weiter. Wir fuhren auf der Chain of Craters Road in Richtung Küste. Rechts und links von uns erstreckten sich zunächst weite Lavafelder. Bei offenem Verdeck im Cabrio zog uns der warme Wind um die Nasen, die Sonne schien und beim Anblick des schwarzen Gesteins um uns herum, hätte man fast meinen können, wir befinden uns auf Erkundungstour über einen fremden Planeten.

Roadtrip Hawaii - Chain of Craters Road

Schließlich tauchte in der Ferne ein blauer Streifen auf und signalisierte uns, dass das Meer nun nicht mehr weit entfernt war. Schon ging es in schmalen Serpentinen steil bergab und dann noch ein Stück weiter auf einer flachen Ebene, die schließlich als Kliff ins Meer abfiel. Die Straße endet jedoch, kurz vor der Küste. Einst ging die Chain of Craters Road hier noch weiter am Meer entlang, wurde jedoch seit 1969 immer wieder von Lava überflossen.

Felsformation an der Küste

Wanderung nach Kalapana

Dort, wo die Straße einst unter Lavamassen begraben wurde, führt heute nur ein Kiesweg weiter in die schwarzen Lavafelder hinein. Schon von weitem war eine hohe Rauchsäule auszumachen. Da sollte es hingehen, zu eben jener Stelle, an der rotglühende Lava ins Meer strömt und wir hoffentlich das Glück haben würden, bei all dem Qualm trotzdem einen Blick auf die Lava selbst zu erhaschen.

Rauch über der Küste

Die ersten Zeichen der Lava

Wir machten uns auf den Weg, während die Sonne noch erbarmungslos vom Himmel brannte. Auch in einer Lavawüste findet sich kein Schatten und so waren wir froh, genügend Wasser und eine Kopfbedeckung dabei zu haben. Über den Kiesweg lief es sich allerdings gut und wir kamen zügig voran. Nach etwa einer Stunde Wanderung jedoch endete der Kiesweg. Wer weitergehen wollte, der musste sich den Weg direkt über das schwarze Lavafeld bahnen. Ein Seil war gespannt, um den Weg zu zeigen und hier und da standen Warnschilder, die vor Gasen warnten oder davor auf eigene Faust näher in Richtung Meer zu gehen. An diesem Tag war das Wetter gut, die Rauchsäule stand konstant in einer Richtung, so dass mir die Gase keine Sorgen machten. Sich jedoch vorzustellen, dass dort, wo wir standen, die Lava unter der Erde unter uns hindurchfloss, war schon etwas seltsam.

Vulkane sind ein absolutes Highlight auf Hawaii

Leise senkte sich die Nacht herein

Allmählich sank die Sonne dem Meer entgegen und das letzte Licht des Tages begann den Himmel in Rottöne zu tauchen. So schön das anzusehen war, stimmte es mich doch etwas traurig, da klar wurde, dass wir es nicht mehr zum Lavabeobachtungspunkt schaffen würden, bevor die Sonne untergeht. Je dunkler die Nacht, desto deutlicher zeichnete sich ein rotes Glühen in der Rauchsäule ab. Es sah bald aus, als würde die Säule in Flammen stehen. Die Spannung und Vorfreude stieg dadurch nur umso mehr an. Wie viel Lava wohl ins Meer floss?  Würden wir eine Art roten verzweigten Wasserfall zu Gesicht bekommen oder eher einen Fluss, der sich ins Meer ergoss?

Inzwischen war es so dunkel, dass wir unsere Stirnleuchten nutzen mussten, um sicher über das unebene Lavafeld mit seinen Verwerfungen und Rissen navigieren zu können. Bald sahen wir einen Pulk von Menschen an der Küste stehen und wussten, es war nun nicht mehr weit.

Eine Naturgewalt hautnah

Was wir erblickten überstieg unsere kühnsten Hoffnungen. Die Lava bildete an diesem Tag nicht nur ein kleines Rinnsal, sondern die Lava stürzte als kräftiger Strom von hoch oben aus dem Kliff ins Meer. Das Zusammentreffen der bis zu 1200°C heißen Lava und dem mit ca. 25°C für uns wohltemperierten Meer wirbelte die Wassermassen meterhoch auf, es zischte und krachte so laut, dass es selbst aus gebührender Entfernung noch zu vernehmen war. Ein Spektakel, bei dem wir nur andächtig dasitzen, unsere mitgebrachten Sandwiches verzehren und gebannt vor uns hin staunen konnten. Es war ähnlich wie mit einem Lagerfeuer, zugleich beruhigend und doch, bei der Vorstellung, was dieses Element sonst noch anrichten kann, auch respekteinflößend.

Lava stürzt ins Meer bei Nacht

Die Vorteile der Nacht

Wir hätten ewig dort sitzen und der Lava beim Fließen zuschauen können, aber irgendwann wurde es doch Zeit den Rückweg anzutreten. Immerhin hatten wir etwa fast 2 Stunden für den Hinweg gebraucht und würden den Rückweg in kompletter Finsternis sicherlich nicht schneller finden. Sobald das Licht der Lava nachließ und unsere Stirnleuchten für die einzige Helligkeit weit und breit sorgten, hielten wir ab und an inne, um uns an einer anderen Schönheit in dieser Welt zu erfreuen: Dem mit Abermillionen Sternen durchzogenen Nachthimmel, der sich uns in dieser Nacht noch einmal von seiner besten Seite zeigte und auch die Milchstraße klar und deutlich erkennen ließ, wie es nur auf einer einsamen Insel fernab großer Städte und Ballungszentren der Fall ist.

 Ein Blick in das Zuhause der Feuergöttin Pele

Zurück am Auto stand nur noch eines auf unserem Plan: Ein Blick in das rauchende Zuhause der Feuergöttin Pele, den Halema’uma’u-Krater. Dazu fuhren wir zurück von der Küste in das Herz des Hawaii Volcanoes National Park, wo die Temperaturen spürbar kälter waren. Vom Aussichtspunkt beim Jaggar Museum überblickten wir schließlich den Krater und waren sehr überrascht. Wir hatten gedacht, dass sich des Nachts evtl. eine rot leuchtende Rauchsäule über dem Krater sehen lassen würde, aber das wir tatsächlich so nah an dem Krater waren und von oben einen Blick in das lavadurchzogene, flammende Innere des Halema’uma’u-Kraters werfen konnten, übertraf erneut unsere Erwartungen. Da der Krater als Sitz der Feuergöttin ein hawaiianisches Heiligtum darstellt und das Veröffentlichen von Fotos daher verboten ist, verzichte auch ich darauf. Schließlich möchte ich mir nicht den Zorn der Pele auf mich ziehen. Das soll schon so manchem Unvernünftigem nicht gut bekommen sein 😉

Für uns war es jedenfalls ein toller Abschluss eines wirklich atemberaubenden Tages. Gern hätte ich noch länger dort gestanden und den züngelnden Flammen und der leuchtenden Lava im Krater zugesehen. Allerdings war es doch inzwischen sehr kalt geworden, wir waren nach dem langen Tag auch müde und erschöpft und hatten schließlich noch einen langen Rückweg zur Unterkunft vor uns. Die Eindrücke haben sich jedoch eingebrannt und werden wohl immer zu den faszinierendsten Erlebnissen zählen, die wir machen durften.

Bye bye und bis bald!

Ina

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