Guesthouse Raicho – Abschalten in den Bergen Japans

Die Suche nach einer passenden Herberge ist immer so eine Sache, aber dann und wann landet man doch einen Volltreffer, eine Unterkunft bei der einfach alles passt. So etwas hatten wir mit dem Guesthouse Raicho in den Japanischen Alpen gefunden. Nein, es geht nicht um ein teures 5-Sterne-Hotel, es gab auch keinen Infinity Pool, all inclusive oder wenigstens das beste Frühstücksbuffet aller Zeiten dazu. Ja, was dann?

Auf der Hängebrücke über einem Fluss

Ankunft in Norikura Kogen

Auf dem entlegenen Hochlandplateau Norikura Kogen angekommen, wurden wir von Yuma, dem Betreiber des Guesthouses, von der Bushaltestelle abgeholt und zur Unterkunft gefahren. Schon der erste Eindruck war sehr nett, da wir auch gleich Yumas Schwester, seinen Neffen und noch eine Mitarbeiterin kennenlernten. Der Anblick unserer Herberge für die nächsten drei Nächte machte zudem einen ordentlichen und teilweise gar erst frisch renovierten Eindruck.

Wenige Häuser und ringsherum Wald und Berge
Der verschlafene Ort, in dem unsere Unterkunft lag

Das riecht doch nach… Ei???

Kaum einen Schritt in das Haus gesetzt, zog uns allerdings ein Geruch wie von 1.000 gekochten Eiern in die Nase. Was war das? Nun, zum Haus gehörte ein eigener Onsen, d.h. eine heiße Quelle. Da in der teilweise vulkanisch aktiven Gegend oft schwefelhaltiges Wasser aus der Erde tritt, wie eben auch bei der Quelle des Guesthouses, lag damit ein beständiger Schwefelgeruch in der Luft und das riecht eben wie beschrieben. Unser Zimmer war allerdings ganz gut davon abgeschottet und auch sonst ist es ehrlich gesagt weniger schlimm, als es sich zunächst anhört. Außerdem bedeutete es, dass wir gleich in der Unterkunft eine heiße Quelle, sogar mit einem Becken draußen in der Natur, zum Baden hatten! Das Außenbecken konnte dazu privat gebucht werden. Ganz ungestört in der Natur im heißen Wasser zu sitzen und die frische Luft und das Grün ringsherum zu genießen, was für ein Traum!

Unser Zimmer

Wir hatten ein traditionelles japanisches Doppelzimmer, d.h. wir legten uns Futons und Decken auf den Boden oder besser gesagt auf Tatami-Matten. Es gab auch sonst nur traditionelle Möbel in dem Raum, aber da wir ja ohnehin den ganzen Tag unterwegs waren, interessierte uns das so gesehen wenig. Wer allein oder mit der Familie reist, wird übrigens im Guesthouse Raicho ebenfalls fündig, denn von Schlafsaalplätzen bis zum Familienzimmer ist alles im Angebot. Daneben gibt es einen netten Gemeinschaftsraum mit Kamin und eine tolle neue Küche zur Mitbenutzung.

(Hier sollte eigentlich ein Foto erscheinen, aber aufgrund des zu großen Entspannungsfaktors im Guesthouse haben wir fast jegliches Fotografieren komplett vergessen.)

Baden im Onsen

Tagsüber verbrachten wir die Zeit unterwegs bei Wanderungen in den Bergen, wobei uns Yuma mit Empfehlungen und Tipps zu den Aktivitäten in der Gegend zur Seite stand. Schon am ersten Wandertag (siehe letzter Post) war ehrlich gesagt die Vorfreude auf das anschließende Bad fast größer, als auf den möglichen Blick vom Gipfel. So ging es abends auch, kaum in der Unterkunft angekommen, immer noch etwas frierend hinaus in das Freiluftbecken für etwas Entspannung in dem herrlich heißen Onsen. Gerade nach einem anstrengenden Ausflug eine unglaubliche Wohltat und soweit ich gelesen habe, soll das schwefelhaltige Wasser auch antibakterielle und hautberuhigende Wirkung aufweisen, also insgesamt sehr gut für die Haut sein. Dann badet es sich doch gleich noch lieber 😉

Natürlich gibt es auch innen ein Bad, wobei es hier traditionell Japanisch zugeht. So wird in den nach Geschlechtern getrennten Becken eigentlich nackt gebadet. Dabei gibt es Duschen mit kleinen Hockern, wo sich zuerst gründlich von Kopf bis Fuß gewaschen und anschließend aller Schaum abgespült wird. Erst so gereinigt, setzt man sich zum Entspannen in das eigentliche Bad.

Blick auf das Badebecken im Freien
Bad im herrlich heißen Außenbecken – etwas schüchtern, da wie traditionell üblich natürlich nackt ^^;

Abendessen mit der Familie

Auch wenn wir am liebsten ewig im Wasser gesessen hätten, so knurrte doch auch irgendwann der Magen. Da Yuma seinen Gästen anbot sie zu einigen der etwas weiter entfernten Restaurants zu fahren, wollten wir ihn nach dem ersten Wandertag eigentlich gleich fragen gehen, aber er kam uns mit einem ganz unerwarteten Vorschlag zuvor. An dem Tag waren wir die einzigen Gäste und so bot er uns an, ein typisch Japanisches Abendessen mit ihm und der Familie zu uns zu nehmen. Bei so einem tollen Angebot konnten wir natürlich nur ja sagen und freuten uns sehr über das unglaublich leckere Essen, das seine Schwester selbst zubereitet hatte, und ebenso über die nette Gesellschaft. Wir erfuhren, dass Yuma das Haus erst 2015 gekauft hatte und daher vieles, wie z.B. die Küche und der Empfang gerade frisch renoviert waren. Wir lernten dazu auch das ein oder andere über das Leben in den Bergen. So erfuhren wir, dass sein Neffe z.B. mit dem Eintritt in die High-School in eine weiter entfernte Schule wechseln muss oder dass sie im Winter normalerweise mit etwa 2 m Schnee, selbst bei sich im Tal, zu kämpfen haben. Es war ein sehr schöner, gemütlicher Abend, der uns den Eindruck vermittelte, wir hätten statt eines Zimmers zu buchen, eine Einladung nach Hause zu einer japanischen Familie erhalten. Die heimelige Atmosphäre machte unseren Aufenthalt dort wirklich zu einem besonderen Erlebnis.

Küche im Guesthouse Raicho
Die komplett neu eingerichtete und sehr saubere Küche

Abschied

Am Abreisetag brachte Yumas Schwester unsere Koffer mit zur Bushaltestelle, zusammen mit ihrem Sohn, der mit dem Bus zur Schule fuhr. Yuma und seine Schwester winkten uns zum Abschied noch nach. Während man andernorts bei der Abreise oft traurig ist, weil es weg aus einer einmalig schönen Gegend oder von einer Trauminsel geht, so war ich hier vor allem traurig, weil die schönen Erfahrungen, die wir dank unserer unglaublich freundlichen und hilfsbereiten „Gastfamilie“ in den Bergen Japans hatten, damit zu Ende gingen.

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