Harbin Ice Festival – In einer Stadt aus Eis

Das Harbin Ice Festival ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein sehr winterliches Ereignis. Jedes Jahr beginnen ca. im November die Arbeiten an den Gebäuden und Skulpturen aus Eis und Schnee, um eine bezaubernde Stadt aus gefrorenem Wasser zu schaffen. Offizieller Start des eigentlich Harbin International Ice and Snow Sculpture Festivals genannten Events ist der 5. Januar. Dieses Jahr wollten wir uns diese besondere Sehenswürdigkeit nicht entgehen lassen und trauten uns dazu weit hoch in den Norden Chinas.

Die 10-Millionen-Metropole Harbin ist die Hauptstadt der Provinz Heilongjiang, der nordöstlichsten Provinz Chinas mit direkter Grenze zu Russland. Dementsprechend tief können die Temperaturen hier im Winter auch sinken, bis zu -40°C. Beständige Minusgrade über viele Monate sind die Voraussetzung für das Harbin Ice Festival, aber vermutlich auch ein Garant für durchgefrorene Füße und Hände, wenn es an einen Besuch geht. Die dicksten Schuhe, Mäntel, Hosen und Pullover, die wir finden konnten, mussten daher natürlich ins Gepäck. Aber ob das reichen würde?

Abendstimmung auf dem Ice Festival

Anreise

Meine Freundin und ich kamen Freitagnachmittag in Harbin an. Wir waren kurz zuvor noch südlich von Peking bei den hängenden Tempel des Mt. Cangyan und im Shaolin-Kloster bei Luoyang unterwegs gewesen und sind dann von Peking aus angereist. Die Anreise ist möglich per:

  • Flugzeug (ca. 2,5 Stunden)
  • Zug (ca. 7,5 Stunden)

Der Zug ist dabei normalerweise preiswerter. Was das Fliegen übrigens zusätzlich teuer macht, ist die Tatsache, dass der Flughafen weit außerhalb der Stadt liegt. Für ein Taxi zum Hotel in der Innenstadt haben wir ca. 35 € (01/2017) bezahlt, was für chinesische Verhältnisse ein recht stolzer Preis ist.

Europäische Gebäude im Norden Chinas
Erste überraschende Einblicke

Das Geld war bei der Fahrt allerdings weniger ein Grund zur Besorgnis, der Fahrstil unseres Taxifahrers auf komplett vereisten Straßen allerdings schon. Wie immer konnten wir uns hinten im Taxi sitzend auch nicht anschnallen, daher stand meiner Freundin und mir der Angstschweiß teilweise ordentlich auf der Stirn. Zum Glück haben wir es aber entgegen allen Befürchtungen heil ins Hotel geschafft.

Harbin, eine Stadt mit Überraschungen

Kurz darauf kamen auch Tom und ein chinesischer Freund, der extra mit in seine Heimatstadt angereist war, um uns an dem Wochenende etwas herumzuführen, bei der Unterkunft an. Wir wollten uns zunächst nur etwas in der Stadt umsehen und dabei wurde uns ein Blick auf die berühmteste Straße Harbins empfohlen. Also, warm anziehen, den Schal um die Wangen werfen und schon ging es hinaus in die glücklicherweise „nur“ -19°C. Dabei hieß es überall aufpassen, wo man hintrat. So etwas wie einen Winterdienst gibt es in Harbin nicht. Dementsprechend sind Fußwege und Straßen herrlich glatt. Wir waren schon sehr verblüfft, nicht ein Auto nach dem anderen einen Auffahrunfall erleiden zu sehen. Trotz der leicht chaotischen Verkehrsverhältnisse gingen sich alle ganz gut aus dem Weg und kamen dabei sogar gut voran.

Eine Straße mit Flair

Auch wir hatten es bereits kurz darauf auf die 1,4 km lange Zhongyan Straße geschafft, die besonders für Gebäude in russischem und europäischem Stil bekannt ist. Mir war zwar bereits vorab bekannt, dass es russische Einflüsse in Harbin gibt, aber dass ich mich hier fast zurück in Europa fühlen könnte, hätte ich wirklich nicht vermutet.

Straße mit westlichen Gebäuden und Weihnachtsbeleuchtung

Als wir im Dunklen die hübsch beleuchtete Straße entlang flanierten, begegneten uns auch die ersten Skulpturen aus Schnee und Eis. Viele davon waren bereits sehr schön anzusehen. Allerdings merkten wir auch schnell, dass es doch frostig kalt um uns war, denn die Finger wurden beim Fotografieren bereits nach wenigen Minuten steif, die Beine und Füße eisig kalt und der Wasserdampf meines Atems gefror an meinen Wimpern zu kleinen Eisklümpchen. So schön die Atmosphäre der Stadt auch war und so interessant die Sehenswürdigkeiten, nachdem wir das Ende der Straße erreicht hatten, wünschten wir uns alle nur sehnlichst zurück ins Warme. Dabei waren Tom und meine Freundin sogar cool genug, der alten Tradition in Harbin zu folgen und draußen ein Eis von einem der Straßenstände zu essen. Ich fürchte, ich wäre erfroren…

Russische Architektur und chinesisches Essen

Wohlverdient gab es anschließend sehr leckeres Essen bei einem typischen chinesischen BBQ. Das und Hot Pot, d.h. ein heißer Topf, gefüllt mit einer oder mehreren Suppen, in denen verschiedene Zutaten direkt am Tisch gekocht werden, sind die typischen Speisen in Harbins Winter. Auch wir haben uns das nicht entgehen lassen und uns so (zumindest vorübergehend) wieder gut aufgewärmt.

Hot Pot in Harbin
In der heißen, wahlweise scharfen Suppe werden Fleisch, Fisch und Gemüse gekocht und anschließend mit Sesam- oder anderen Saucen gedippt gegessen

Für den nächsten Tag war allerdings klar, dass wir noch dickere Unterhosen benötigen würden, um beim Harbin Ice Festival mehrere Stunden draußen in der Kälte zu überleben. Daher gab es am Samstag zunächst einen Abstecher in die Innenstadt, für etwas Shopping. Hier begegneten uns allerdings auch wieder charmant aussehende Gebäude aus der Blütezeit der internationalen Geschäfte Harbins. Dabei hat die Stadt auch hübsche Kirchen, wie z.B. Beispiel diese russisch-orthodoxe Kirche zu bieten:

Russische Kirche

Inzwischen mit dicken Schafwollunterhosen ausgerüstet (was für ein Unterschied!) ging es dann endlich los auf das Ice Festival.

Harbin Ice Festival

Bereits unterwegs in der Stadt begegneten uns immer wieder Eisbauten und -skulpturen. Diese waren allerdings kein Vergleich zu den teils riesigen Bauwerken der Eisstadt oder den unglaublich filigranen Skulpturen, die internationale Künstler auf dem Festivalgelände geschaffen hatten.

Wirklich schön war, dass wir den Sonnenuntergang auf dem Ice Festival miterleben konnten. Die Abendstimmung tauchte alles in wunderschöne Pastellfarben und verlieh den Gebäuden geradezu ein märchenhaftes Aussehen.

Gebäude aus Eis bei Sonnenuntergang
In einer Welt aus Eis und Schnee

Als es immer dunkler wurde, gingen schließlich die Lichter an. Bis dahin hatte ich das gar nicht gewusst, aber viele der Gebäude sind von innen beleuchtet, so dass die Stadt nachts in allen möglichen bunten Farben glänzt.

Akrobatin aus Eis

Eine Tempelanlage aus Schnee und Eis
Schneeskulptur einer Göttin

Futuristischer Eispalast in blauer Beleuchtung

Das Gelände des Harbin Ice Festival ist wirklich groß, wobei es nicht nur etwas für das Auge zu erleben gibt. Es werden daneben auch Ringrutschen und andere Aktivitäten angeboten. Wer sich etwas aufwärmen möchte, der wird in einem der Restaurantgebäude fündig, wo dementsprechend auch warme Getränke und Speisen erhältlich sind. Selbst mit einer kleinen Aufwärmpause zwischendurch wuchs bei uns nach drei Stunden in der Kälte langsam der Wunsch die Segel zu streichen. Vor allem unsere Schuhe hatten dann doch ihr Limit erreicht. Durchgefroren und doch sehr glücklich über die vielen herrlichen Eindrücke verabschiedeten wir uns.

Fazit: Sehr kalt, aber ein außergewöhnliches Festival für das sich der Besuch in Harbin voll und ganz gelohnt hat! Durch unseren chinesischen Freund, der uns zudem noch einiges von der Stadt näherbringen konnte, war es zudem ein wirklich schönes Wochenende mit vielen wunderbaren Erlebnissen – definitiv ein gebührender Abschluss unserer kleinen Chinareise.

Bye bye und bis bald!

Ina

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