Ishigaki-jima: Japans Trauminsel?

Wunderschöne, einsame Strände, klares Wasser, das der Farbe Blau eine ganz neue Bedeutung gibt, Palmen und der Blick auf eine herrliche Landschaft im Inselinneren, so würde ich eine Trauminsel beschreiben. Nun ist Japan nicht gerade bekannt solche Reiseziele im Repertoire zu haben. Wer sich allerdings Bilder von der Insel (jap. jima) Ishigaki ganz im Süden des Landes anschaut, der wird positiv überrascht sein. Die Frage ist nur, hält die Insel auch, was sie verspricht?

Schon länger hatte ich mit einem Aufenthalt in der südlichsten japanischen Präfektur, Okinawa, geliebäugelt. Für mich hatte die von Tokyo aus so ferne Inselgruppe schon immer einen etwas exotischen Klang und die Aussicht auf tolle Strände und Schnorchelmöglichkeiten im mir sehr ans Herz gewachsenen Japan machten die Vorfreude perfekt, als sich endlich die Gelegenheit bot, dort hin zu reisen. Unter den vielen Inseln hatten wir uns letztlich für Ishigaki-jima, die schon näher an Taiwan als an den japanischen Hauptinseln liegt, entschieden, da das Schnorcheln dort am schönsten sein soll und insbesondere für Taucher, wie meinen Freund, die Chance besteht Mantarochen zu erspähen.

Blick auf Ishigaki vom Flugzeug aus

Der erste Eindruck

Bereits auf der Suche nach einer netten Unterkunft auf der Insel mussten wir feststellen, dass die Auswahl hier doch recht begrenzt und für die eigentlich eher durchschnittlich scheinenden Hotels ganz schön saftige Preise anfallen. Also haben wir uns lieber für eine günstige Variante entschieden, schließlich, dachten wir, sind wir die meiste Zeit vermutlich ohnehin unterwegs und nicht auf dem Zimmer. Leider war die Entscheidung, wie sich herausstellte, nicht die beste, denn in unserem Fall fanden wir uns nicht nur in einem einfachen Zimmer wieder, sondern umgeben von massenhaft Insekten, wie Kakerlaken und Spinnen. Auch die Küche war definitiv nicht zur Mitbenutzung geeignet, denn so dreckig wie dort alles aussah, hätte ich noch nicht einmal etwas anfassen, geschweige denn von dem Geschirr essen wollen…

Gut, das trübte doch etwas den ersten Abend und die erste Nacht und ich bin ehrlich, auch noch die nächsten drei Tage, die wir in der Unterkunft ausharrten, bevor wir in unsere kurzfristig aufgetriebene Unterkunft Nr. 2 umzogen – eines von den eher durchschnittlichen, teuren, aber dafür eben doch wenigstens sauberen Hotels.

Blick auf das Meer

Mal von den Übernachtungsproblemen abgesehen mussten wir schnell feststellen, dass Ishigaki-jima nicht allzu gut per öffentlicher Verkehrsmittel erkundet werden kann. Hier bietet sich daher ein Mietwagen an. Eigentlich hatte ich überall gelesen, dass der internationale Führerschein, der in Deutschland ausgestellt wird, ohne japanische Übersetzung in Japan nicht anerkannt wird, aber vielleicht sehen sie das auf der Insel nicht ganz so verbissen. Wir haben den Mietwagen auf jeden Fall auch so ohne Probleme bekommen.

Mit dem Auto ging es schließlich durch japanische Ortschaften und zwischen Zuckerrohrfeldern hindurch, die nicht gerade den Eindruck von Trauminsel erweckten. Im gebirgigeren Teil der Insel wichen die Felder jedoch zunehmend dichten Wäldern mit tropischen Pflanzen und es gab schließlich interessante Berge und schöne Küstenstreifen zu entdecken. Besonders der Blick an die ersten Strände stimmte uns wieder etwas fröhlicher, denn das Wasser war schön klar und es war weit und breit kaum jemand zu sehen.

Ishigaki-jimas STrände

Herrlich blaues Wasser, helle Sandstrände und vor allem wenig Gesellschaft machten das Stranderlebnis wirklich sehr schön und richtig entspannend. Es gibt auf der Insel dabei viele kleine Strände zu entdecken, an denen sich womöglich sogar ganz ungestört baden lässt. Auf der Suche nach dem einsamen Sandstrand ganz für sich allein, wird man hier also tatsächlich noch fündig.

Einsamer Strand

Boot am Strand

Auch sonst machte Ishigaki-jima einen wenig touristischen Eindruck, aber vielleicht täuschte das, da wir nicht zur Hauptsaison vor Ort waren. Andererseits sollte man daher nicht erwarten, dass es unbedingt Sanitäreinrichtungen, Duschen, Restaurants oder Cafés in der Nähe der Strände gibt. Wem das für einen Tag etwas zu viel Natur pur ist, der sollte sich doch lieber an die bekannteren Strände halten. Auch wir haben nur ab und zu einen Abstecher zu entlegeneren Küstenstreifen gemacht und ansonsten unser Glück vor allem am Strand von Yonehara gefunden. Dabei hat mir das vorgelagerte Riff mit seinen vielen bunten Fischen besonders gut gefallen, auch wenn, wie vielerorts, das Riff leider nicht mehr so intakt ist, wie es wünschenswert wäre.

Strand von Yonehara
Herrliche Blautöne am Strand von Yonehara

Schnorcheln und Tauchen

Auch weiter draußen bzw. in größerer Tiefe ist es um die Riffe nicht unbedingt besser bestellt. Es ist zum Glück noch so manches lebendig, aber eben nicht die bunte Vielfalt, von der jeder träumen würde.

Unterwasserwelt vor Ishigaki

Nichtsdestotrotz lässt sich vieles Interessante und Schöne erspähen und für Leute, die schon immer einmal einem Mantarochen begegnen wollten, bietet Ishigaki-jima die Möglichkeit schlechthin. Sowohl als Taucher, die die majestätischen Wesen aus nächster Nähe betrachten können, als auch als über den Mantarochen schwimmender Schnorchler, ist es schon ein besonderes Erlebnis die bis zu 9m langen Tiere durch das Wasser schweben zu sehen. Tom war von dem Taucherlebnis jedenfalls schwer beeindruckt.

Mantarochen beim Tauchen

Die Insel zu Land

Um die Insel etwas besser kennenzulernen und vielleicht das ein oder andere Fleckchen ganz für sich allein zu entdecken, bietet sich definitiv eine Tour mit dem Mietwagen an. In den Inselbergen lässt sich wandern gehen und diverse Aussichtspunkte bieten einen guten Überblick über Teile der Insel und herrliche Buchten.

Bucht Ishigaki
Kabira Bay
Aussicht über Ishigaki
Mit dem Wetter hatten wir im Juni natürlich auch Wolken und Regen dabei, aber es war dennoch immer warm genug zum Baden.

Außerdem nicht zu vergessen: Wie überall in Japan gibt es auf Ishigaki-jima sehr leckeres Essen! Darunter so einige Spezialitäten Okinawas wie Fischkuchen oder die Meerestrauben, eine Seegrasart, die kleine traubenartige Rispen bildet.

Fischkuchen und Meerestrauben in Japan
Links: Fischkuchen; Rechts: Meerestrauben

Fazit

Insgesamt hatten wir, von den Nächten in der ersten Unterkunft einmal abgesehen, eine schöne und vor allem entspannte Zeit auf der Insel. Mir haben die Strände und das Schnorcheln vor Ort wirklich sehr gut gefallen, auch wenn der Sand andernorts feiner und die Riffe noch schöner sind. Das war ebenso insgesamt der Eindruck der blieb. Ishigaki-jima ist prinzipiell eine tolle Insel mit schön anzusehenden Buchten und Stränden, freundlichen Menschen, gutem Essen und entspannter Atmosphäre, aber es bleibt bei der Gesamtbewertung bei einem „gut“. Vielleicht hatte ich einfach zu viel erwartet oder die erste Unterkunft hat doch etwas zu sehr die Stimmung gedrückt, aber irgendetwas hat doch gefehlt, um sich von der großen Konkurrenz in Asien wirklich abheben zu können. Wer andererseits etwas Gemütlichkeit fernab des üblichen Asientouristenstroms sucht, ohne Partys und massenhaft Backpackern, oder einfach nur ein riesengroßer Japanfan ist, der wird auf Ishigaki-jima vielleicht dennoch sein Glück finden.

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