Kyoto: Stadt der Tempel und Schreine

Die einstige Hauptstadt Japans und immerhin über 1.000 Jahre Sitz des kaiserlichen Hofes ist eine der geschichtsträchtigsten Städte Japans. Auch heute ist Kyoto damit noch die Anlaufstelle Nr. 1 für alle, die einen Einblick in das alte Japan mitsamt seiner Kultur und Traditionen erhalten wollen. Das ist prinzipiell auch keine schlechte Idee, wenn es da nicht des Öfteren einen riesigen Haken gäbe: Menschenmassen. Was sich in Kyoto wie vielleicht dennoch genießen lässt, dazu anbei ein paar Tipps.

Daigo-ji Tempel in herbstlichen Rottönen
Daigo-ji während der Herbstfärbung

1. Wann nach Kyoto?

Unbedingt vorab prüfen, ob gerade große Festivitäten, wie z.B. das Gion Matsuri, oder auch japanische bzw. chinesische Feiertage anstehen! Wir hatten zuletzt keine andere Wahl als während des chinesischen Drachenbootfestes zu verreisen, aber für einen Besuch in Kyoto war das leider keine gute Idee. Die Stadt wurde regelrecht von Chinesen überrannt. Solche Menschenmassen hatte ich bis dahin in Kyoto wirklich noch nicht erlebt. Wer das Gedrängel also meiden möchte, der sollte zu eben diesen Zeiten die Stadt lieber auslassen und irgendwann dazwischen, wenn es keine besonderen Anlässe gibt, sein Glück versuchen.

Natürlich kann es andererseits zu japanischen Festen sehr schön sein, auf diese Art noch etwas mehr von der japanischen Kultur zu erleben und besonders das Gion Matsuri im Juli ist dabei wohl eines des besonderen Highlights in Kyoto.

Neben den Feiertagen ist außerdem noch die Jahreszeit zu berücksichtigen. Kirschblüte und Herbstfärbung ziehen ebenfalls viele Touristen an, das allerdings aus gutem Grund, denn diese vergänglichen Naturschauspiele verbreiten eine besondere Atmosphäre und kreieren wunderschöne Ansichten.

In den Straßen von Kyoto

2. Wo übernachten?

Hier stellt sich zu aller erst die Frage, ob in Kyoto selbst oder doch lieber außerhalb? Für eine Unterkunft in der Stadt sollte lieber frühzeitig gesucht und gebucht werden. Außerhalb, wie z.B. im per Zug nur 30 Minuten entfernten Osaka ist auch kurzfristig noch eher etwas zu finden.

3. Was anschauen?

In Kyoto gibt es ganz ehrlich so viele Sehenswürdigkeiten, dass sich sicherlich niemand alle auf nur einer Reise anschaut. Dementsprechend gilt es eine Auswahl zu treffen und die fällt bekanntlich oft nicht leicht. Hier daher einmal meine Favoriten und etwas Senf zum (natürlich nicht ganz vollständigen) Rest:

Fushimi-Inari-Schrein

Der einer Fuchsgottheit gewidmete schintoistische Schrein in weiß und orange ist nicht nur sehr schön anzusehen, sondern durch seine verschlungenen, mit unzähligen orangenen Toren gesäumten Pfade entlang eines Berges auch etwas Besonderes, das sich sonst so kein zweites Mal finden lässt. Wer allerdings große Probleme mit dem Steigen von Treppen hat, der sollte es sich dennoch überlegen, denn wie gesagt, der Schrein liegt am Berg…

Rote Tore und Wünsche von Gläubigen

Kiyomizudera

Dieser buddhistische Tempel bietet großzügige Aussichten über die Stadt, die Möglichkeit auf dem Hin- und Rückweg nach Souvenirs Ausschau zu halten und ist vor allem während der Herbstfärbung, die abends noch herrlich beleuchtet wird, so einige Fotos wert. Für mich war das größte Highlight hier allerdings die Chance einen Tag lang einen geliehenen Kimono zu tragen und damit durch den Tempel und die verschlungenen Gassen ringsherum zu flanieren. Ein wirklich tolles Gefühl!

Kiyomizu-Tempel und Blick über Kyoto

Kiyomizu-Tempel bei Nacht während der Herbstfärbung

Bambuswald

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich liebe Bambus! Durch einen richtigen Bambuswald zu schlendern, war für mich daher bereits ein lang gehegter Wunsch, den ich mir in Kyoto im Sagano-Bambuswald erstmals erfüllen konnte. Auch wenn ich den Wald natürlich nicht für mich allein hatte, war es trotzdem ein tolles Gefühl dort zwischen den riesigen Bambusbäumen zu sein und den Wind durch deren Blätter rascheln zu hören. Ein wirklich lohnender Spaziergang für Bambusfans oder die, die es vielleicht noch werden wollen.

Im Bambuswald von Kyoto

Daigo-ji

Die weitläufige Tempelanlage mit einer fünfstöckigen Pagode, verschiedenen Hallen und einem sehr hübschen Pavillion (s. erstes Foto oben) ist besonders im Herbst als Ausflugsziel sehr zu empfehlen. Unzählige Ahornbäume färben den Hintergrund des Pavillions feuerrot, während andernorts auf dem Tempelgelände die herabfallenden Blätter der Ginkgo-Bäume einen leuchtend gelben Teppich bilden. Aber Vorsicht, an den vielen Farben und schönen Tempelgebäuden lässt sich nur schwer sattsehen.

Herbstfärbung am Daigoji

Gion

Eines der wenigen übrig gebliebenen Geisha-Viertel in Kyoto ist an und für sich nicht allzu spektakulär anzuschauen. Mit etwas Glück erspäht man allerdings eine Geisha oder Maiko (sozusagen Lerngeisha) beim Friseur oder noch besser fertig eingekleidet und geschminkt auf dem Weg zu ihrer Arbeit. Eine Freundin und ich hatten bei unserem ersten Besuch in der Stadt so viel Glück und es war, als würden wir plötzlich durch die Zeit reisen. Wir waren so fasziniert, dass wir außer einem „Konnichi ha“ (Guten Tag) nichts herausbrachten und uns noch nicht einmal trauten nach einem gemeinsamen Foto zu fragen.

Silberner Pavillon (Ginkaku-ji)

Der Name ist leider etwas irreführend, denn der Pavillon ist in Wirklichkeit nicht silbern, sondern einfach aus Holz gebaut. Nichtsdestotrotz findet sich hier eine hübsche Gartenanlage mit Teichen, kleinen Bachläufen und einem akkurat gepflegten Steingarten.

Silberner Pavillion zwischen dem Grün des Gartens

Goldener Pavillon (Kinkaku-ji)

Hier ist tatsächlich der Name Programm, denn goldener kann ein Gebäude kaum glänzen. Der Kinkaku-ji bietet damit ein wirklich tolles Fotomotiv, aber das ist leider schon alles. Die Gartenanlage ringsherum ist nicht die schönste und zu den meisten Zeiten muss man mit wahren Touristenmassen um die besten Fotospots kämpfen.

Der Goldene Pavillion

Eikando

Diese Tempelanlage verfügt ebenfalls über einen sehr schönen Garten und ist dabei normalerweise nicht ganz so überlaufen wie andere Anlagen.

Tempel im Herbst

Manga-Museum

Für uns war das Mangamuseum die Wahl für einen verregneten Tag, an dem wir sonst ehrlich gesagt nichts Besseres zu tun wussten. Leider gab es im Museum so einiges nur auf Japanisch zu lesen, dafür fand gerade ein kleines Cosplay Event statt, auf dem wir zumindest Sailor Moon einmal persönlich zu Gesicht bekamen. Ansonsten habe ich die Gunst der Stunde genutzt, mich ebenfalls, zumindest auf dem Papier, einmal Mangafizieren zu lassen. Gibt es anderswo sicherlich preiswerter, aber sei’s drum.

Ein Portrait im Mangastil von mir
Ich als Mangafigur ^^

4. Was gibt es sonst zu tun?

Neben all dem Sightseeing kann ich, wie gesagt, sehr empfehlen, sich für einen Tag einmal traditionelle japanische Kleidung auszuleihen. Es ist wirklich doch ein etwas anderes Gefühl so durch die Straßen zu wandeln und ein paar Fotos mit japanischen Schülern oder anderen Damen im Kimono gibt es dabei womöglich noch von ganz allein dazu.

Ein Tag im Kimono

Ebenfalls sehr schön fand ich die Möglichkeit Kyoto mit dem Rad zu erkunden. So lässt sich z.B. aus dem Besuch des Bambuswaldes ganz im Westen eine nette Radtour entlang eines Flusses machen. Dabei gewinnt man noch einmal ganz andere Einblicke und geht die Erkundung der Stadt auch etwas gemütlicher an.

Fluss zwischen Bergen

Überhaupt ist es eine gute Idee sich in Kyoto einfach etwas durch die Straßen treiben zu lassen, gern auch zu Fuß. Denn es gibt neben den bekannten Sehenswürdigkeiten noch so viele kleine Tempel und Schreine, schöne traditionelle Häuser und nette Gassen, dass sich vieles auch fernab des Haupttouristenstroms entdecken lässt und das sogar ganz ungestört.

Hasenstatue in einem Tempel

Seid ihr schon einmal in Kyoto gewesen? Was hat euch besonders gefallen oder auch nicht?

Nach so einem erlebnisreichen, aber auch anstrengenden Städtetrip wird es auf jeden Fall Zeit für etwas Entspannung. Im nächsten Japan-Post geht es daher auch ab an den Strand!

Bye bye und bis dahin!

Ina

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