Matsumoto und die Krähenburg

Matsumoto, ein ruhiges Städtchen umgeben von den Bergen der Japanischen Alpen, ist für viele, wie auch zuletzt für uns, Ausgangspunkt für Weiterfahrten in die Berge selbst. Dabei hat der Ort mit einer der lediglich drei noch original erhaltenen Burgen Japans ein Juwel für all jene zu bieten, die sich für die Geschichte Japans und Samurai, japanische Architektur oder einfach nur für eine von außen wirklich schön anzusehende und innen zu erkundende Sehenswürdigkeit, inklusive kleinem Waffenmuseum, interessieren. Das Beste daran: Während sich andernorts Menschenmassen aus allen möglichen Ländern tummeln, lässt sich hier oft noch alles in Ruhe genießen.

Zumindest haben wir es in Matsumoto sehr ruhig empfunden, als wir nach zwei anstrengenden, aber auch erlebnisreichen Tagen in Tokyo uns auf dem Platz vor dem Bahnhof in Matsumoto wiederfanden und so gut wie keine Menschen zu sehen waren. Wir hörten auch nichts außer hier und da ein vorbeifahrendes Auto, ein paar Vögel und die lustigen Ampelgeräusche, die uns signalisierten, dass wir Fußgänger jetzt Grün haben. Nach all dem Trubel in Tokyo hatten wir schon etwas das Gefühl auf dem Land angekommen zu sein und das obwohl Matsumoto mit seinen 241.000 Einwohnern nun nicht gerade die kleinste Stadt ist. Wir waren allerdings froh über die Ruhe und machten uns entspannt zu Fuß auf den Weg zu unserem Grund für den Zwischenstopp in der Stadt: Matsumoto-jo, auch Krähenburg genannt.

Die Burg vor Bergkulisse
Immer noch mein Lieblingsbild von der Burg (Frühling 2012)

Die Krähenburg

Den Namen verdankt die Burg aus dem 16. Jahrhundert ihrer schwarzen Farbe und den „ausgebreiteten Flügeln“. Und auch wenn die Burg Matsumoto ihrer in weiß gehaltenen Verwandten in Himeji wohl kaum das Wasser reichen kann, wenn es um Besucherzahlen geht, so finde ich, lässt sich sehr darüber streiten, welche nun die schönere Burg ist – Schwarz hat schließlich auch etwas.

Burg Matsumoto im Panorama

Detailansicht der schwarz-weißen Fassade

Die gesamte Burganlage ist gut gepflegt und lädt zum Verweilen ein. Wer mag kann hier auch ein kostenloses Foto mit einem Samurai machen lassen. Zuletzt schlichen dazu noch zwei Ninja um die Burg, die sicherlich ebenfalls für einen Schnappschuss parat gestanden hätten.

Innenhof der Burganlage

Besonders interessant wird es allerdings erst mit dem Betreten der Burg. Zunächst heißt es hier: „Schuhe ausziehen“, und in Socken oder barfuß geht es dann über alte Holzböden und Treppen, deren Stufen mir fast bis zum Knie reichten, Stockwerk für Stockwerk hinauf bis in den höchsten Raum der Burg. Unterwegs gibt es dabei Ausstellungsstücke zu alten Feuerwaffen und natürlich eine Samurai-Rüstung zu sehen. Das ist schon faszinierend, insbesondere, wenn man das Gewicht der Waffen und Rüstungen bedenkt. Außerdem bringt es einen so doch noch ein Stück weiter zurück in der Zeit und lässt die Geschichte des Ortes etwas lebendiger erscheinen, als wären nur noch leere Zimmer zu sehen.

Rüstung eines Samurai

Oben im höchsten Raum angekommen, erwartet einen ein netter Ausblick über Matsumoto und die angrenzende Berglandschaft.

Ausblick über die Stadt von der Burg aus

Schutzgeist der Burg

Zudem findet sich im obersten Stock auch die schöne Geschichte vom Schrein in der Burg. Es heißt, dass ein junger Vasall des Burgherrn des Nachts die Erscheinung einer Frau in wunderschönen Kleidern vor sich sah. Diese meinte zu ihm, dass der Burgherr ihr zu Ehren einen Schrein errichten und jeweils zum 26. des Monats Reisopfergaben darbringen soll. Dafür würde sie die Burg vor Feuer und anderem Unheil schützen. So wurde in das Dach der Burg ein Schrein integriert und der edlen Dame wurden fortan, wie gewünscht, Opfergaben dargebracht. Ihren Teil des Versprechens hat sie bis heute gehalten, denn die Burg hat alle Kriege und Auseinandersetzungen, zuletzt erst 2011 auch ein Erdbeben, überstanden und ist weder jemals niedergebrannt noch anderweitig zerstört worden.

Schrein in der Burg
Blick auf den Schrein

Auch wiederaufgebaute Burgen, wie sie vielerorts in Japan zu finden sind, können sehr schön anzusehen sein, aber wenn ihr mich fragt, ist die Atmosphäre doch nie ganz die gleiche wie bei einer original erhaltenen Sehenswürdigkeit. Und obwohl ich nun schon zum dritten Mal in Matsumoto war, komme ich immer wieder gern vorbei und habe mich besonders gefreut, dass die Burg auch meinem Freund gut gefallen hat.

Froschstraße

Neben der Burgbesichtigung hatten wir auch so noch etwas Zeit in Matsumoto und sind durch die Gassen der Stadt, in der sich immer wieder traditionelle kleine Häuschen finden lassen, und die berühmte Froschstraße, eine kleine Einkaufsstraße, geschlendert. Letztere verdankt ihrem Namen der Lage am Fluss und der Tatsache, dass im Japanischen die Worte für „Einkaufen“ (alter Ausdruck), „Frosch“ und „nach Hause zurückkehren“ alle gleich klingen. Es ist also die Straße, in der sich einkaufen und die Frösche hören lassen, bevor es wieder zurück nach Hause geht.

Eindrücke der Stadt: Kleines schwarz-weißes Haus, Frosch- und Katzenstatue
Rechts: Froschstatue in der, wie könnte es anders sein, Froschstraße
Mitte: Eines der traditionell gebauten Häuser in Matsumoto
Links: Eine Katzenstatue, die einfach zu niedlich aussah, um nicht vor der Linse zu landen

Nach Hause ging es für uns im Anschluss natürlich noch nicht, sondern stattdessen weiter hinauf in die Berge Japans für zwei Wandertage und Entspannung in der Natur. Dazu aber das nächste Mal mehr.

Bis dahin!

Ina

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