Montags-Update KW 11: Prägende Begegnungen

Egal ob in München, Tokyo oder Peking, wohin ich auch zog oder auf Reisen unterwegs gewesen bin, es waren vor allem die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen, die die Zeit dort zu etwas Besonderem machten. Diese Begegnungen sind mir bis heute auch mit am besten in Erinnerung geblieben. Sehenswürdigkeiten können beeindrucken, Landschaften atemberaubend sein, aber was am längsten bei einem bleibt, ist das, was das Herz berührt und wer könnte das besser als andere Menschen?

Berührende Geschichten

Da war z.B. die Frau, die bei KFC in Tokyo an meinem Nachbartisch saß. Sie sagte hallo zu mir, fragte woher ich komme und erzählte mir dann von ihren Erlebnissen während des verheerenden Erdbebens und Tsunamis in 2011. Sie erzählte davon, dass sie damals im Zug saß, der urplötzlich anhielt und anschließend versuchte Kontakt zu ihrer Mutter aufzunehmen, die in der betroffenen Region lebte. Der Mutter sei nichts passiert, doch die Zeit der Unwissenheit um die geliebte Person dennoch furchtbar gewesen. Die nette Frau meinte, sie müsste beruflich immer noch jeden Tag mit der Bahn fahren, aber seitdem würde stets ein Stück weit Angst mitfahren.

Eigentlich sprachen die Leute in Japan aber kaum darüber. Wenn das Thema doch aufkam, war der Schmerz jedoch bei allen spürbar. Während meiner als Freiwillige auf einer Farm in der Präfektur Nagano lernte ich allerdings eine junge Frau kennen, die ihr Zuhause durch den Tsunami verloren hatte. Sie hatte durch den Job auf der Farm erstmals wieder eine Arbeit aufnehmen können und versuchte so wieder zurück in die Normalität zu finden. Finanzielle Sorgen, waren dabei vermutlich ihre geringsten. Sie war sehr zurückgezogen, aß so gut wie nichts und interagierte kaum mit anderen Leuten. Wir konnten nur versuchen zu erahnen, was sie wohl durchgemacht hatte und sehen, wie schlimm es ihr innerlich nach wie vor gehen musste. Das machte mich nicht nur betroffen, sondern erzeugte zum ersten Mal auch wirklich ein Gefühl der Hilflosigkeit. Da sah ich jemanden direkt vor meinen Augen leiden und doch wusste ich nicht im Mindesten, wie ich auch nur irgendwie hätte helfen können.

Inspiration für das eigene Leben

Daneben habe ich aber ebenso viele inspirierende und gar Mut machende Geschichten erfahren dürfen. Sei es durch eine Reisebekanntschaft, im gleichen Jahr geboren wie ich, die an Multiple Sklerose leidet und dennoch in der Welt unterwegs ist, aus ihrem Leben das Beste macht und jeden Moment genießt. Oder meine malaysische Freundin, die nur eine von Wenigen in ihrer Familie ist, bei der das Geld für Schulbildung reichte. Die mir erzählte, wie sie in ihrer Kindheit mit ihrer Familie noch Müll sammeln ging, um Geld zu verdienen, damit sie zumindest etwas Reis zu essen hatten. Mit Tränen in den Augen meinte sie, wie unglaublich dankbar sie sich schätzt, dass es ihrem Ehemann, der aus der Mittelschicht stammt, egal ist, aus welchen Verhältnissen sie kommt und welches Glück sie damit hat, dass sich ihr Leben durch ihren Beruf und nun auch ihren Mann so zum Besseren wendete.

Da ist auch die bewundernswerte Geschichte meiner ehemaligen Kollegin in München, die mit ihrem Mann aus einem anderen Land nach Deutschland kam und sich durch unglaublichen Fleiß und harte Arbeit in Deutschland ein gutes Leben aufgebaut haben. Ihre Tochter spricht vier Sprachen auf muttersprachlichem Niveau, auch das kann ein Migrationshintergrund mit sich bringen.

Unabhängig von der Herkunft

Vor allem habe ich aber dabei viel über die jeweiligen Herkunftsländer der Personen lernen können und dass man auf Klischees wirklich nichts geben sollte. Die am härtesten arbeitenden Leute die ich bisher kennenlernte, waren Freundinnen aus Russland und Rumänien. Die Mädels aus Kenia hatten wirklich ein Herz aus Gold und eine auf Fidschi lebende Bekannte aus Südkorea, ist die wohl am wenigsten andere Menschen bewertende Person, die ich jemals getroffen habe. Sie lächelte nur und freute sich über die verschiedenen Ansichten der Leute. Freunde und Bekanntschaften aus Polen, China, den Philippinen, Thailand, Pakistan und Nigeria lebten oft tausende von Kilometern entfernt von ihren Familien und taten dabei doch alles, um jeden Monat Geld nach Hause zu schicken und ihre Familie zu unterstützen, damit die Eltern von etwas Leben oder jüngere Geschwister gar noch eine Schule besuchen konnten.

Ich hoffe, man sieht sich zwei Mal im Leben

Oft genug war ich fast beschämt, weil ich nicht so hart arbeiten und mich nur um mich selbst kümmern musste. Oder ich war peinlich berührt, weil ich häufiger so gut wie nichts über ihre Heimatländer wusste, während sie mir alles Mögliche über Deutschland erzählten. Fakt ist, es gibt überall auf der Welt wunderbare Menschen zu treffen. Dabei ist es gänzlich unbedeutend aus welchem Land sie stammen, welcher Religion sie angehören oder in welcher Kultur sie aufgewachsen sind. Viele werde ich wohl doch nur ein einziges Mal im Leben getroffen haben, bei manchen hoffe ich noch auf ein Wiedersehen, eines Tages. Ganz tief in mir glaube ich aber fest daran, sind wir ohnehin alle miteinander verbunden.

Es heißt nicht ohnehin: „Nur mit dem Herzen sieht man gut“. Will man andere Leute wirklich als die sehen, die sie sind, dann hilft nur den Verstand ausschalten, alles vergessen, was man jemals gehört hat und dafür den Mut aufbringen, mit dem Herzen die Welt neu zu entdecken.

Ich wünsche euch viele wundervolle Begegnungen diese Woche! Lasst es euch gutgehen und bis bald

Ina

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