Montags-Update KW 8: Vertrauen in der Beziehung

Es ist mal wieder so weit, ich bin allein zu Hause. Tom ist auf Dienstreise – eine Woche Südafrika. Manche von euch kennen das vielleicht auch, der Freund oder Mann ist die Woche über beruflich irgendwo unterwegs und kommt daher tagelang nicht nach Hause. Oder ihr seid selbst häufiger nicht zu Hause, weil es euer Beruf nun einmal so mit sich bringt. Bei uns war von Anfang an klar, dass Tom immer mal wieder auf Dienstreise gehen würde. Eine schöne Aussicht war das für mich zunächst nicht, vielmehr verknüpft mit Unsicherheiten. Was ich seitdem zum Thema Vertrauen in der Beziehung allerdings dazu lernen konnte und wie mir das hilft, diese Woche viel entspannter zu sehen als früher, darum soll es heute gehen:

Unsere Situation Mit den Dienstreisen

In Deutschland war unsere Ausgangslage zunächst vor allem geprägt von einer Fernbeziehung. Wir lebten und arbeiteten in unterschiedlichen Städten, etwa 300 km weit entfernt voneinander. Damals war ich froh über jede Dienstreise, die ihn nach München oder zumindest in die Nähe bringen würde, denn dann konnten wir uns auch unter der Woche einmal sehen und nicht nur am Wochenende.

Lange sollte die Situation so aber nicht andauern und schon ging es nach China in die erste gemeinsame Wohnung. Im ersten Jahr hier war Tom fast jede Woche auf Dienstreise, es sei denn wir hatten Urlaub oder Besuch da. Dabei war er im Normalfall „nur“ zwei/drei Tage am Stück unterwegs. Mit dem Flugzeug ging es nach Shenyang noch weiter in den Norden Chinas oder Richtung Shanghai in den Süden. Die Ziele sind auch im zweiten Jahr in Peking die gleichen geblieben, aber dafür wurden die Dienstreisen etwas seltener.

Dieses Jahr jedoch wird einiges anders, nicht nur, dass wir zurück nach Deutschland ziehen. Toms Dienstreisen werden bald immer wieder über ein bis drei Wochen gehen, nach Südafrika. Dazwischen wird er auch in etwa ebenso lange in Deutschland sein, vermutlich. Ganz können wir das im Moment selbst noch gar nicht abschätzen.

Aller Anfang ist schwer

Außergewöhnlich ist unsere Situation ja nicht. Es gibt viele Paare, die sich die Woche über nicht so oft sehen, sei es aufgrund einer Fernbeziehung oder weil der Ehemann als LKW-Fahrer, Handwerker auf Montage oder aus anderen beruflichen Gegebenheiten oft lange unterwegs ist. Gründe gibt es so einige, aber im Enddefekt macht das keinen allzu großen Unterschied. So oder so verbringt man viele Tage oder gar Wochen getrennt voneinander. Ich muss schon zugeben, dass es längere Zeit nicht leicht für mich war. Ich weiß, es bringt nichts, sich ständig den Kopf über Dinge zu zerbrechen, die eventuell passieren könnten, aber gerade an Tagen, an denen ich vielleicht ohnehin schon nicht so gut drauf war, beschlichen solche Gedanken mich trotzdem. Vertrauen in der Beziehung war für mich etwas eher Unbekanntes. Ich war unsicher im Umgang mit dieser Situation und machte damit mir und letztlich auch Tom das Leben unnötig schwer.

Hast du keine Angst, er könnte fremdgehen?

Ja, solche Fragen sind mir tatsächlich schon gestellt worden. Und ja, das belastet. All die Schreckgespenster, die ich aus meinem Kopf verbannt glaubte, kamen plötzlich wieder hoch. Aber es machte mich auch wütend. Zum einen weil ich solche Gedanken einem geliebten Menschen gegenüber gar nicht haben wollte und zum anderen weil es eine vollkommen blöde Frage ist! Als ob sich jeden Tag zu sehen, ein Garant für eine tolle Beziehung wäre. Trotzdem gibt es Fälle in denen er oder sie fremdgeht – statt die beste Freundin zu besuchen, statt lange zu arbeiten oder was auch immer. Wer das fremdgehen will, der braucht keine Dienstreise dazu. Also was soll es mir bringen ständig den Teufel an die Wand zu malen? Was bringt es, meinen Freund, der mich liebt, unter Generalverdacht zu stellen? Und dabei könnte er mich umgekehrt ja ebenso verdächtigen, schließlich bin ich tagelang ganz allein zu Hause. Was für eine Beziehung wäre das dann noch?

Frage lieber dich selbst: Warum glaubst du, du wärst nicht genug?

Ängste und Eifersucht sind dabei trotzdem nichts, was einfach im Raum stehen gelassen werden sollte. Ich glaube, dabei muss man vor allem in sich selbst hinein hören. Mag ich mich denn selbst oder kann ich mich nicht ausstehen und mir eigentlich gar nicht vorstellen, dass jemand anderes mich wirklich lieben könnte? Habe ich vielleicht das Gefühl ohnehin nicht gut genug zu sein? Alles Fragen, die ich mit ja beantworten konnte. Das half mir aber auch zu erkennen, dass meine Ängste nicht von außen kamen, sondern nur aus meinem eigenen miesen Selbstbild. Tom hätte sich in der Situation bemühen können, wie er wollte, der beste Freund der Welt sein können und mir jeden Wunsch von den Lippen ablesen, die Angst wäre dadurch nicht verschwunden. Ich hätte ihm wohl immer noch nicht glauben können, dass er mich tatsächlich so lieben kann, wie ich bin.

Und Heute? Endlich Vertrauen in der Beziehung?

Nur wenn man sich mit solchen Ängsten beschäftigt, sich bewusst macht, was eigentlich hinter dem Misstrauen steht und offen damit umgeht, kann es besser werden. In den letzten zwei Jahren bin ich schon entspannter geworden, wenn auch bei weitem noch nicht so entspannt, wie ich es mir wünschen würde (und Tom bestimmt auch). Geholfen hat mir dabei, zu reden, auch über seinen Alltag in der Ferne. Nach und nach konnte ich so Namen zu Personen zuordnen, selbst wenn ich kein Gesicht dazu kannte.  Auch einen Besuch in seinem Hauptdienstreiseort haben wir zusammen unternommen, was wirklich sehr schön war. Daneben muss ich mich aber vor allem immer wieder selbst erinnern, dass meine Ängste mit ihm eigentlich nichts zu tun haben. Muss mich erinnern, dass ich eine Beziehung führen möchte, in der wir beide entspannt und glücklich sein können, weil weder haltlose Befürchtungen noch Verdächtigungen im Raum stehen. Je häufiger ich mir vor Augen führe, wie sinnlos es ist, sich solche negativen Gedanken überhaupt zu machen, desto besser wurde es mit der Zeit und desto stärker fühle ich von meiner Seite Vertrauen in der Beziehung.

Ein Stück weit habe ich damit auch Vertrauen in mich selbst und in die Beständigkeit unserer Beziehung fassen können. Eine liebe Kollegin sagte mir einst, als ich in einer Situation eher pessimistisch in die Zukunft schaute: „Sieh es doch mal andersherum, es könnte auch gut gehen.“ Welch eine Erkenntnis! Eben, es kann auch gut gehen! Wäre es da nicht furchtbar, wenn ich die gemeinsame wunderbare Zeit nur mit Angst verschwenden würde?

Diese Woche bin ich daher vor allem eines, gespannt was er wohl in Südafrika so alles erleben wird. Natürlich freue ich mich auch schon auf das Wochenende, wenn er wieder zurückkommt von seiner Dienstreise. Aber bis dahin, weiß ich mich auch so zu beschäftigen und verbringe meine Zeit statt mit Grübeleien doch lieber mit Dingen, die mir Freude bereiten.

Eure Erfahrungen?

Kennt ihr solche Situationen? Wie geht ihr damit um? Oder ward/seid ihr mit jemandem zusammen, dem Vertrauen in der Beziehung selbst Schwierigkeiten bereitet? Ich würde mich freuen, von euren Erfahrungen zu hören!

Bye bye und bis bald!

Ina

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