Die Vulkane Hawaiis: Wanderung durch Krater und erkaltete Lavaseen

Früh am Morgen ging es los. Auf den Straßen und in den Ortschaften herrschte noch friedliche Stille. Bei uns war die Aufregung groß: Schon bald würde es ganz nah an dampfende Löcher und die lavaspeienden Vulkane Hawaiis gehen. Was erwartet einen im Hawaii Volcanoes National Park?

im Hawaii Volcanoes National Park

Im Nationalpark angekommen, sahen wir, nun ja, nicht viel… Es war nass, der Regen ließ die Luft kälter erscheinen, als sie eigentlich hätte sein sollen und die Wolken hingen so tief, dass wir schon befürchteten, an dem Tag überhaupt gar nichts sehen zu können. Nun, die Hoffnung blieb, dass es noch besser werden könnte. Zunächst schauten wir ohnehin beim Visitor Center vorbei, um zu planen, was wir wann, wie machen wollen. Wir entschieden uns am ersten Tag für eine Wanderung durch die Haakulamanu Schwefelbänke, den Kilauea-Iki-Krater und einen Blick durch die Thurston-Lavaröhre.

Unterwegs im Hawaii Volcanoes National Park
Der erste Eindruck vom Nationalpark sah noch nicht nach Vulkanen aus

Wanderung durch die Haakulamanu (Schwefelbänke)

Kurz im Visitor Center mit einem leckeren Mahl gestärkt, warfen wir die Regenjacken über, sattelten unsere Rucksäcke auf und liefen los. Die Wege führten zunächst durch dichte Vegetation und erinnerten eher an einen Spaziergang durch nebelverhangene Wälder. Bald schon lichteten sich die Bäume und mit perfektem Timing zogen auch die Wolken etwas auf. Der Blick wurde frei auf mit höherem Gras in gelblichen und rötlichen Tönen bewachsene Wiesen. Ein Holzsteg führte mitten hindurch und rechts und links davon dampfte es an allen möglichen Ecken und Enden aus der Erde.

Vulkane Hawaiis: Schwefelfelder

Vom Schwefel gelb gefärbte Steine umrandeten so manche der Löcher, die wer weiß wie tief in das heiße Erdreich der Insel ragen. All der Dampf, der aus der Erde stieg und die verfärbten Steine erinnerten mich dabei etwas an unsere Besteigung des Mt. Yake, eines aktiven Vulkans in Japan. Das Gute an den Schwefelbänken auf Hawaii ist dabei im Vergleich, dass sie leicht zugänglich und so auch für Leute mit Kindern oder Leute, die weniger gut zu Fuß sind, leicht erreichbar sind.

Schwefelablagerungen

Wehe dem, der vom Weg abkommt

Hier und da standen Infotafeln, die über geothermische und vulkanische Aktivitäten aufklärten, aber ebenso auch vor den Risiken warnten, die besonders ein Verlassen der Wege in sich birgt. So wurde von dem Fall berichtet, bei dem ein Junge nur wenige Schritte vom Pfad weggegangen war und in eines der Dampflöcher einbrach. Teilweise bilden sich Löcher unter der Oberfläche und die oberste Erdschicht ist daher womöglich extrem porös. Wie auf dünnem Eis kann jeder Schritt zum Einbrechen in diese mehr oder weniger großen Löcher führen. Da der austretende Dampf Temperaturen von bis zu 90°C aufweist, führt ein Hineinrutschen oder gar Feststecken in einem solchen Loch schnell zu schlimmen Verletzungen. Auch besagter Junge hatte sich dadurch Verbrennungen zweiten Grades an 10% seines Körpers zugezogen.

Blick über einen gigantischen Krater

Von den Schwefelbänken liefen wir weiter, während sich der Himmel wieder zuzog. Wir folgten einer ausgeschilderten Route und wussten, dass diese uns auch an der Kilauea-Caldera vorbeiführen würde. Caldera meint dabei übrigens eine kesselförmige Struktur, die durch den Ausbruch eines Vulkans entsteht, während ein Krater den Austrittspunkt von Magma bezeichnet.

Für uns ging es entlang von Bäumen ganz unspektakulär voran, als wir plötzlich eine Infotafel und durch einen Zaun abgesperrtes Gebiet vor uns sahen. Das musste wohl der Aussichtspunkt über die Caldera sein und gespannt liefen wir darauf zu. Vom Aussichtspunkt ging es viele Meter in die Tiefe und vor uns lag die Caldera in ihrer ganzen imposanten Schönheit. Wir hatten bereits den ein oder anderen Vulkan und auch Caldera gesehen, aber nichts von solch immensen Ausmaßen. Bis zum Horizont reichte der gigantische Kessel, der in seiner Mitte immer noch aus dem aktiven Halemauumau-Krater, dem Wohnsitz der hawaiischen Feuergöttin, qualmte. Die Vorstellung, dass all das, was wir da vor uns sahen, einst rotglühend und von Lava durchflossen gewesen sein musste, war einfach unglaublich.

Caldera mit dem Halema'uma'u Krater

Kilauea-Iki: Eine Kraterwanderung

Winzig, so fühlte ich mich beim Anblick dieser schier unvorstellbaren Naturgewalt. Immer noch überwältigt, ging es weiter auf unserer Wanderroute. Schon bald schlängelte sich der Pfad wieder durch dichte Wälder und führte dabei beständig in größere Höhe. Links von uns hatten wir bald hier und da die Möglichkeit einen Blick nach unten zu werfen. Steil ging es in die Tiefe. Durch den wiedereinsetzenden Nebel sahen wir aber zunächst nicht viel vom Kilauea-Iki-Krater, an dessen Rand wir uns inzwischen befinden sollten. Ein Stück weiter meinte mein Freund auf einmal: „Sind das da Leute?“ Wir blickten zusammen nach unten in den Krater und im Dunst nur schwer auszumachen, liefen tatsächlich zwei winzige Gestalten. Wie Männlein auf einer Modelleisenbahn sahen sie aus. Bald tauchten noch mehr von ihnen zwischen Wolkenfetzen auf. Erstaunt stellten wir fest, dass unsere Route uns ebenfalls genau dort hinab führen würde.

Überblick über Krater mit erkaltetem Lavasee
Blick über den Kilauea-Iki-Krater-Lavasee. Die Linie, die sich durch den Krater zieht, ist der Wanderpfad, auf dem mit bloßem Auge Menschen nur als winzige ameisengleiche Punkte zu erkennen waren.

Winzige Menschen inmitten des erkalteten Lavasees

Auf dem Boden des Kraters angekommen, blickten wir über ein schwarzes Feld aus erkalteter Lava. Bei dem Ausbruch 1959 erreichten hier Lavafontänen noch eine unvorstellbare Höhe von bis zu 380 m. Mehr Informationen zu dem Ereignis, das den Lavasee entstehen ließ und ein paar beeindruckende Bilder der Lavafontänen findet ihr hier. Heute sieht es im erkalteten Lavasee, der unter der Oberfläche aber immer noch nicht komplett abgekühlt ist, teilweise aus wie auf einer Straße nach einem verheerenden Erdbeben.

Mitten im erkalteten Lavasee
Suchbild: Findet ihr den Wanderer in blau? 😉

Dort im Krater zu stehen und einen besseren Eindruck von den Dimensionen und Auswirkungen vulkanischer Aktivität zu bekommen, war ein imposantes Erlebnis. Allzu lange verweilten wir dort allerdings nicht, denn immer noch zogen alle paar Minuten Regenschauer über uns hinweg und kühlten die Luft spürbar ab.

Mitten durch die Erde: Thurston Lavaröhre

Inzwischen doch ziemlich durchnässt, zumindest dort, wo die Regenjacke nicht schützen konnte, haben wir noch einen Abstecher zur Thurston Lavaröhre gemacht. Durch diesen Tunnel floss einst dünnflüssige Lava und schaffte so eine wirklich interessante Formation unter der Erde. Die Thurston Lavaröhre ist dabei leicht zugänglich und eignet sich damit auch für Leute, die weniger gut zu Fuß sind. Das hatte allerdings auch den Nachteil, dass dort wesentlich mehr Personen unterwegs waren als andernorts. Ein Foto ohne andere Besucher kann ich deswegen leider nicht vorzeigen, hier daher mehr dazu.

Ich muss zugeben, ich war im Anschluss doch ganz froh endlich aus den Wanderschuhen und nassen Hosen heraus und in leichte, trockene Sachen schlüpfen zu können. Da sich das Wetter immer noch nicht aufgeklart hatte, beschlossen wir es für diesen Tag gut sein zu lassen. Nichtsdestotrotz hatten wir an diesem Tag bereits viele tolle Eindrücke gesammelt. Da es darüber hinaus allerdings noch viel mehr im Nationalpark zu entdecken gab, würden wir definitiv noch einmal wiederkommen.

Vulkane Hawaii: Infos rund um den Hawaii Volcanoes National Park

Allgemeines

Der Nationalpark erstreckt sich über ein Areal, das etwa 13 % der Fläche der Insel Hawaii ausmacht. Er reicht von den Lavafeldern an der Südküste bis hinauf auf den 4.169 m hohen Vulkan Mauna Loa. Geöffnet hat der Nationalpark normalerweise jeden Tag, 24 Stunden. Das Visitor Center steht Besuchern von 9 Uhr bis 17 Uhr offen. Eine Übersicht über Anfahrt und aktuelle Eintrittspreise findet ihr hier.

Unsere Aktivitäten im Nationalpark und weitere Sehenswürdigkeiten im Überblick

Durchzogen von duzenden Wanderrouten und interessanten natürlichen Sehenswürdigkeiten, mussten wir Prioritäten setzen, um unsere zwei im Nationalpark angedachten Tage sinnvoll zu nutzen. Hier die Spots und Routen, für die wir uns entschieden hatten, im Überblick:

An unserem zweiten Tag hatten wir noch folgendes vor:

Vom End of the Road sind wir zudem aus dem Nationalpark heraus nach Kalapana gewandert, wo an der Küste Lava ins Meer fließt.

Neben Fahrten durch den Nationalpark, gibt es Wanderrouten in verschiedenen Schwierigkeitsstufen von einfachen Rundwegen bis hin zur mehrtätigen Besteigung des Mauna Loa. Auch mit dem Rad könnt ihr den Nationalpark erkunden. Im Jagger Museum erfahrt ihr mehr über die Wissenschaft der Vulkanologie. Außerdem lässt sich im Nationalpark auch einiges über die hawaiianische Kultur lernen und mit den Pu’u Loa Petroglyphen (prähistorische Felsbilder) sogar eine historische Stätte dazu bewundern.

Gefahren durch die Vulkane Hawaiis

Egal, was man im Nationalpark unternimmt, es sind Naturgewalten ringsherum, die man im Hinterkopf behalten sollte. Die Hinweise zu beachten und auf den Wegen zu bleiben, ist hier besonders wichtig. Es können sich tiefe Risse unter der Vegetation verstecken. Auch die Lavakruste kann gefährlich dünn sein. Zu den Gefahren im Park gehört außerdem vulkanischer Smog. Vulkanische Gase sind ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko. Schwangere, Besucher mit kleinen Kindern und Menschen mit Atemproblemen oder Herzbeschwerden wird daher an vielen Stellen des Parks geraten, lieber fern zu bleiben. Aber auch alle anderen sollten eine Gegend, in der sich Gase angesammelt haben, sofort verlassen. Es ist sogar möglich, dass der Nationalpark aufgrund hoher Gasaufkommen an manchen Tagen geschlossen bleibt.

Vulkanische Aktivität auf den Schwefelfeldern
Die Vulkane Hawaiis: Schön anzusehen, aber nicht ungefährlich

Daneben besteht natürlich jederzeit die Gefahr von neuen Vulkanausbrüchen. Selbst aus der Ferne ist dabei Vorsicht vor Gasen und vulkanischem Fallout geboten. So können in der Luft z.B. winzige Glassplitter enthalten sein, die ein Verletzungsrisiko für Augen und Atemwege darstellen. Über die aktuellen Vorgänge im Nationalpark solltet ihr euch vor einem Besuch also unbedingt informieren. Weitere Informationen zum Thema Sicherheit im Nationalpark findet ihr hier.

Bis zum nächsten Mal

Bei uns hat der erste Tag im Hawaii Volcanoes National Park auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck von der faszinierenden Naturgewalt Vulkan hinterlassen. Dementsprechend freuten wir uns sehr noch einen zweiten Tag zu haben, um den Nationalpark noch weiter zu erkunden. Meine Empfehlung lautet daher bei einem Hawaii-Urlaub unbedingt genügend Zeit für den Hawaii Volcanoes National Park einzuplanen, denn die Vulkane Hawaiis solltet ihr euch auf keinen Fall aus der Nähe entgehen lassen.

Bye bye und bis bald

Ina

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