Ein Weg mit Herz

Jedes Ding ist eins von Millionen Wegen. Darum musst du immer daran denken, dass ein Weg nur ein Weg ist. Wenn du fühlst, dass du ihn nicht gehen willst, musst du ihm unter gar keinen Umstaenden folgen. Um soviel Klarheit zu haben, musst du ein diszipliniertes Leben führen. Nur dann wirst du wissen, dass ein Weg nur ein Weg ist, und dann ist es für dich oder für andere keine Schande, ihm nicht zu folgen, wenn es dein Herz dir sagt.Aber deine Entscheidung, auf dem Weg zu bleiben, oder ihn zu verlassen, muss frei von Furcht oder Ehrgeiz sein.

[…] Sieh dir den Weg genau und aufmerksam an. Versuche ihn, so oft es dir notwendig erscheint. Dann stell dir, und nur dir selbst, eine Frage. […]

Ist dieser Weg ein Weg mit Herz?

Alle Wege sind gleich: sie führen nirgendwo hin. […] 

Ist es ein Weg mit Herz? Wenn er es ist, ist der Weg gut; wenn er es nicht ist, ist er nutzlos. Beide Wege führen nirgendwohin, aber einer ist der des Herzens, und der andere ist es nicht. Auf einem ist die Reise voller Freude, und solange du ihm folgst, bist du eins mit ihm. Der andere wird dich dein Leben verfluchen lassen. Der eine macht dich stark, der andere schwächt dich.

[…] Ein Weg, der kein Herz hat, ist niemals schön. Du musst hart arbeiten, um ihn auch nur einzuschlagen. Andererseits ist ein Weg mit Herz sehr einfach; um ihn gern zu haben, musst du nicht arbeiten.

 (Don Juan Matus, Carlos Castaneda)

Unterwegs auf einem Bergpfad über den Wolken

Diese Textstelle fällt mir, seit dem ich sie zum ersten Mal gelesen habe, immer mal wieder ein – vor allem dann, wenn es eine Entscheidung zu treffen gilt, welchen Weg ich im Leben gehen möchte. Dabei fällt es mir gar nicht so leicht für mich selbst festzulegen, was mir wichtig ist und was nicht, was mir guttut und was nicht, was ich erreichen möchte und auf was ich eigentlich auch verzichten kann. Manchmal frage ich mich: „Ist das wirklich etwas, dass ich mir wünsche oder ist es nur etwas, dass ich mir wünschen sollte, weil es die Gesellschaft, Familie, Freunde und Bekannte als wünschenswert und gut ansehen oder wo ich zumindest annehme, dass sie es als gut betrachten?“. Evtl. habe ich in der Vergangenheit auch ab und an den, zumindest auf den ersten Blick, einfacheren Weg gewählt, weil der Mut fehlte mehr zu wagen… Ich denke, es ist nicht gerade einfach, wirklich zu sich selbst zu stehen und den Weg zu gehen, der einem als richtig erscheint, auch wenn es bedeutet, dass man manchmal auf verschlungenen Pfaden wandelt, wo einem andere auch nicht immer folgen können.

Dennoch habe ich mir vorgenommen stets zu hinterfragen, was mein Herz dazu meint und dann auch den entsprechenden Weg einzuschlagen. Ich bin dankbar, dass mich meine Familie und Freunde stets dabei unterstützen, auch wenn ich in meinem Leben schon dann und wann Entscheidungen traf, die vielleicht nicht immer für sie alle nachvollziehbar waren. So habe ich Ende 2014 meinen unbefristeten und auch gut bezahlten Job und meinen Mietvertrag gekündigt, um im April 2015 zusammen mit meinem Freund für zwei Jahre, vielleicht auch länger, nach China zu ziehen. Ich weiß nicht, ob das tatsächlich die beste Entscheidung und damit auch der „richtige“ Weg ist, aber es ist auf jeden Fall der Weg, der sich gut anfühlt und auf den ich mich freue, ihn zu gehen. Letztlich zählt nur das im Leben: Habe ich mich ständig nur gequält oder habe ich das Leben so gelebt, dass es mir Spaß macht? Da möchte ich doch lieber mein Leben so gestalten, dass ich es auch gern erlebe, selbst auf die Gefahr hin, dass nicht jeder meine Entscheidungen nachvollziehen kann.

In dem Sinne hoffe ich, dass letztlich alle ihren Weg mit Herz finden und sich auch trauen ihm zu folgen.

Eure Ina

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