Update KW 12: Zusammen 2 Jahre in China – Ein Fazit

Es war bereits später am Abend, wir standen fast allein auf dem Bahnsteig in München und warteten auf die nächste U-Bahn. „Also ich würde nach China gehen, mit dir. Jetzt hängt es nur davon ab, was du sagst. “ Als ich diese Worte hörte, konnte ich noch nicht recht glauben, dass das gerade wirklich passierte.

Die Entscheidung

Würden wir nach China gehen? Oder doch in Deutschland bleiben, wenn ich nein sagte? Nun, der Ausgang der Geschichte ist bekannt, ich habe „Ja“ gesagt. Aber so ganz sicher, war das zu Beginn noch nicht gewesen – für uns beide nicht. Tom hatte das Angebot bekommen eine Stelle in China anzutreten, aber zunächst war uns nicht so ganz klar, was das im Falle einer Zusage unsererseits heißen würde. Zufälligerweise fand genau zu dieser Zeit eine Infoveranstaltung in seinem Unternehmen für Mitarbeiter und deren Angehörige statt, die Interesse an einem Auslandsaufenthalt in China haben. Wir hörten uns alles an und auf dem Rückweg zu meiner Wohnung in München sagte mir Tom, dass er gern gehen würde, wenn ich mitginge. Natürlich gab es da zunächst noch einige weitere Fragen zu beantworten und Dinge zu klären. Und dann war da noch die eine Sache: Wir waren erst seit wenigen Monaten zusammen. Gleich zusammen ins Ausland gehen, ist doch verrückt oder? Wir haben es trotzdem gewagt!

Eingang in die Verbotene Stadt mit Maobild

Aller Anfang ist Schwer oder so

Nun zwei Jahre später können wir auf eine wirklich erlebnisreiche Zeit zurückblicken. Der Anfang in einem so fremden Land war dabei natürlich nicht immer einfach, seien es viele Überstunden und wöchentliche Dienstreisen auf Toms Arbeit, die Sprachbarriere oder die uns ungewohnten Gebräuche. Da ließ natürlich auch der Kulturschock nicht lange auf sich warten. Vor allem, als wir aus unserem ersten Urlaub, aus Borneo, zurückkehrten, hätten wir kaum niedergeschlagener sein können. Eine schwierige Zeit mit Zweifeln und Sehnsucht nach zu Hause.

Mann mit Teddybär auf der Ladefläche in Peking

Nun, dass es früher oder später einen Kulturschock geben würde, war wohl zu erwarten, aber wenn man einmal mittendrin steckt, gibt es nicht viel zu tun. „Nach Hause gehen oder einfach weitermachen“, lautet die Devise. Wir machten letzteres und mit Besuch, dem nächsten Urlaub und der Zeit, die zunehmend verging, wurde die Stimmung wieder besser. Die Sprachbarriere war immer noch da, aber nicht mehr so schlimm oder wir gewöhnten uns zumindest daran. Ebenso konnten wir uns immer noch nicht so ganz mit einigen chinesischen Eigenarten anfreunden, aber wir wussten inzwischen woran wir waren und konnten damit umgehen. Dazu lernten wir ein Pärchen kennen, mit dem wir uns richtig gut verstanden und schon fing die Zeit an zu fliegen. Dann kam noch weiterer Besuch, hier und da machten wir etwas Urlaub oder einen Ausflug und schwupps, 2 Jahre vorbei.

Chinesische Gebäude, Trauerweiden und Blumen im Beihai-Park

Zwei Jahre später

Dabei lernten wir einige wunderbare Leute kennen und sahen mehr von China und Asien in dieser Zeit, wie wir es wohl je für möglich gehalten hätten. Selbst Hawaii und die Fidschi-Inseln konnten wir dadurch besuchen. Wir werden also viele einzigartige und unvergessliche Eindrücke mitnehmen. Wie uns die zwei Jahre aber womöglich längerfristig geprägt haben und vielleicht gar insgesamt unseren Lebensweg beeinflussen, das wird sicherlich noch etwas dauern, bevor es ersichtlich wird. Im Moment kann ich nur sagen, dass es eine gute Entscheidung war und ich jeden dazu ermutigen würde, die Chance, das Leben in einem anderen Land kennenzulernen, zu nutzen – egal, ob es allein, zu zweit oder als Familie ins Ausland geht.

Wir auf der Stadtmauer von Xi'an
Auf der Stadtmauer von Xi’an

Ich war allerdings froh, dieses Mal die Erfahrung gemeinsam machen zu können. Das heißt natürlich nicht, dass als Paar im Ausland sofort alles einfacher und besser funktioniert. Wir haben uns am Anfang mit so manchem unnötigen Streit das Leben eher noch schwieriger gemacht. Letztlich waren wir aber immer füreinander da und mussten uns so nicht allein um alles auf einmal kümmern. Ich denke nicht nur jeder für sich selbst, sondern auch als Paar konnten wir in dieser Zeit also so einiges dazulernen. Und all jenen, die irgendwann meinten: „Und was ist, wenn es nicht gut geht?“, kann ich nur sagen: Und was ist, wenn es doch gut geht? Wer kein Wagnis eingeht, der kann auch nie dazugewinnen. Wichtig ist doch viel mehr, dass man ein gutes Gefühl bei der Entscheidung hat, die man trifft und für mich fühlte es sich einfach richtig an. Und wäre doch ein „Wenn“ oder ein „Aber“ irgendwann aufgetreten, nun dann hätten wir geschaut, was wir in der Situation tun können und was unter neuen Gegebenheiten das Beste gewesen wäre. Es ist ja schließlich nichts in Stein gemeißelt.

Ab April bricht für uns nun ein neuer Abschnitt im Leben an, aber auch das ist gut so. Wie sagte einst schon Heraklit: „Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung“.

Bye bye und bis bald

Ina

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