Tokyo – 2 Tage in einer Welt für sich

Schon die Erwähnung Tokyos schafft Bilder im Kopf von modernen Wolkenkratzern, Menschenmassen und bunten Reklametafeln, Mädchen in Schuluniformen und übermüdeten Herren im Anzug, die in der Bahn wenigstens etwas Schlaf zu erhaschen versuchen. Auch für mich war die 9 Millionen Metropole zu meinem ersten Besuch 2012 eine andere Welt, die ich mit großen Augen staunend betrat. Ich kenne die Stadt durch mehrere, auch längere Aufenthalte schon ganz gut. Zuletzt hatte ich allerdings nur ganze zwei Tage Zeit Tokyo auch meinem Freund vorzustellen und zusammen mit ihm dort noch einmal so viel wie möglich zu sehen und zu erleben. Wir sind erst abends in Narita gelandet, mein Freund konnte sich seinen ersten Eindruck von Tokyo daher zunächst nur im Dunkeln und entlang der Bahnschienen auf dem Weg zum Hotel machen.

Bunte Straße in Tokyo voller Werbetafeln

Ankunft

Mein Fazit am ersten Abend: „Ich bin wieder hier! Hach, ist das schöööön.“
Das Fazit meines Freundes: „Irgendwie habe ich mir das alles moderner vorgestellt… Und warum um Himmels Willen ist der Tokyoter Flughafen ewig weit weg von Tokyo???“

Eine gute Frage, nur wusste ich darauf auch keine Antwort. Ansonsten stimmt das schon, viele Gebäude in der riesigen Metropole sind nun nicht mehr die neuesten. In weiten Teilen der Stadt finden sich noch nicht einmal hohe Wolkenkratzer, die sich viele wohl unter einer modernen Megacity vorstellen würden. Eines dagegen war dann allerdings genau wie gedacht: Unser winzig kleines Hotelzimmer, in dessen Bad keine zwei Leute gleichzeitig passten und das neben dem Bett kaum genug Platz bot, unsere Koffer zu öffnen. Willkommen in Tokyo!

Tag 1 – Shibuya, Harajuku und Meiji-Schrein

Shibuya – Shopping und ein berühmter Hund

Unsere Erkundungstour der Stadt begann am nächsten Tag mit der Fahrt nach Shibuya. Besonders bekannt ist der Distrikt für die große Kreuzung, bei der alle Fußgänger auf einmal auf die Straßen strömen. Darüberhinaus ist der Bahnhof von Shibuya für die Geschichte von Hachiko berühmt, den treuen Hund, der jeden Tag sein Herrchen vom Bahnhof abholte. Selbst nach dessen Tod kam der Hund noch jeden Tag zum Bahnhof, um auf sein verstorbenes Herrchen zu warten. Direkt vor dem Bahnhof wurde dem Hund daher sogar ein Denkmal gewidmet. Ansonsten hat Shibuya jede Menge Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Bars und einige Clubs zu bieten. Selbst auf der Suche nach einem Love Hotel, d.h. einem Hotel, das stundenweise Zimmer vermietet und damit bei Pärchen recht beliebt ist, lässt sich hier fündig werden 😉

Kreuzung in Shibuya voller Menschen und umgeben von Hochhäusern
Die berühmte Kreuzung von Shibuya

Harajuku – Wie viele Menschen passen in eine kleine Gasse?

Von Shibuya ging es für uns anschließend nach Harajuku. Hier ist insbesondere die Takeshita Dori (Takeshita Straße) Anziehungspunkt für Leute, die auf der Suche nach ein paar ausgefalleneren Kleidungsstücken sind oder wie wir hoffen, zumindest ein paar Japaner in eben solcher Kleidung zu erspähen. Und obwohl wir die ein oder andere interessante Person dort sehen konnten, lud die Straße, die doch enorm überlaufen war, kaum zum Verweilen ein. Also schnell weiter in Richtung Meiji-Schrein, wo uns überraschenderweise eine singende und trommelnde Truppe von Hare Krishna Anhängern entgegenkam. Das war dann wohl das Bizarrste an diesem Tag, da die Leute in ihren eher indisch-aussteigermäßigen Gewändern sich am allermeisten vom Stadtbild abhoben.

Menschemassen in Harajuku
Takeshita Dori: Wie gesagt, kaum etwas los…

Meiji-Schrein – Endlich etwas Ruhe vor der Außenwelt

Für uns hieß es dann aber erst einmal etwas abschalten. Kaum durch das Eingangstor in den Park des Meiji-Schreins gegangen, ließen Straßenlärm und Menschengetümmel spürbar nach und stattdessen spendeten die großen Bäume etwas Abkühlung im Schatten. Der Duft nach Waldboden brachte einen dazu, mit Freude einmal wieder richtig tief durchzuatmen.

Weg zum Schrein umgeben von großen Bäumen
Auf dem Weg zum Schrein

Leider wurden am Meiji-Schrein gerade Baumaßnahmen vorgenommen, so dass der bedeutendste Shinto-Schrein Tokyos teilweise verhüllt war. Außerdem hatten wir dieses Mal auch nicht das Glück ein Brautpaar im Schrein beobachten zu dürfen, wie es mir bei meinen vorhergehenden Besuchen fast immer vergönnt war. Wirklich schade, denn eine Braut in einem traditionellen Hochzeitskimono ist stets ein bezaubernder Anblick. Mal abgesehen davon ist es zudem unglaublich beeindruckend, wenn die Damen bei teils über 30°C im Schatten einen bis zu 20 kg schweres Hochzeitsgewand tragen und trotzdem scheinbar nicht im mindesten Schwitzen. Mir wäre das Make-up wohl schon bis zu den Füßen gelaufen…

Der Schrein in der Dämmerung
Der Meiji-Schrein vor den Restaurierungsmaßnahmen (2013)

Nun ja, dafür gab es bei unserem Besuch eine Ausstellung von Jahrhunderte alten Bonsais zu bewundern – ebenfalls sehr schön.

Japanischer Bonsai

Am Abend erlebten wir übrigens noch eine kleine Überraschung, als wir einen Blick auf unsere Fitness-App warfen und nach deren Aufzeichnung fast 20 km Fußmarsch an dem Tag zusammengekommen waren. Ziel Nummer 1 für den nächsten Tag lautete demnach: „Weniger zu Fuß erkunden“! Unsere Füße würden es uns danken 😉

Aber dafür hieß es dann auch wohlverdient: „Schmecken lassen!“

Leckeres Sushi
Nicht ganz preiswert, aber dafür sehr lecker: Unser erstes gemeinsames Sushi-Essen in Japan

Tag 2 – Asakusa, Akihabara, Shinjuku und Odaiba

Senso-Tempel in Asakusa

Auch am zweiten Tag in Tokyo hatten wir einen vollgepackten Tagesplan. Los ging es mit dem wichtigsten buddhistischen Tempel, dem Sensoji in Asakusa. Hier fanden ebenfalls gerade Restaurierungsarbeiten statt. Daher war das berühmte Eingangstor (Kaminarimon), vor dem normalerweise alle Leute ein Foto machen, leider verhüllt. Wir sind natürlich dennoch einmal durch die Tempelanlage geschlendert. Dabei warfen wir im Tempel ein paar Münzen ein und hielten kurz inne. 5-Yen-Münzen sollen übrigens besonders Glück bringen. Anschließend gönnten wir uns den Spaß, einen Wahrsagezettel zu ziehen. Bei mir war es leider kein Glücksgriff, denn ich hatte das schlechteste Omen, das „Bad luck“, gezogen. In dem Fall wird der Zettel nicht mitgenommen, sondern im Tempel angebunden und darum gebeten, dass der Wind das Unglück hinfort weht.

Sensoji in Asakusa: Rauch der Räucherstäbchen weht über die vielen Besucher des Tempels
Sensoji in Asakusa

Akihabara, Shinjuku und ein kurzer Blick über die Stadt

Weiter ging es anschließend nach Akihabara, dem Technik- und Nerd-Viertel. Wer in Japan Elektronikgeräte kaufen will, ein Manga- bzw. Anime-Fan ist oder zu diversen Zwecken ein Hausmädchenkostüm sucht, der wird hier sicherlich fündig. Daneben ist Akihabara vor allem für AKB 48 bekannt, eine extrem erfolgreiche japanische Girl Group mit 121 (!) Mitgliedern (Stand 12/2015, Quelle: Wikipedia.com), die dort fast täglich live auftritt.

Die bunten Gebäude von Akihabara mit Spiel- und Mangawerbung

Wir wollten allerdings nicht allzu lange in der Gegend bleiben, denn es standen immer noch zwei Ziele auf unserem Plan. Zum einen haben wir in Shinjuku noch einen kostenlosen Blick aus dem Tokyo Metropolitan Government Building über die Stadt geworfen. Zum anderen wollten wir für den Sonnenuntergang gern nach Odaiba, eine künstlich angelegte Insel vor der Küste Tokyos.

Aussicht vom Tokyo Metropolitan Government Building über das Häusermeer
Ausblick über das Häusermeer Tokyos vom Tokyo Metropolitan Government Building

Odaiba – Ab auf die Insel

Odaiba ist eigentlich ein merkwürdiger Mix aus Strand, an dem nicht gebadet werden darf, Shoppingmalls und Hotels, dem interessanten Fuji TV Gebäude, einer Freiheitsstatue und einem riesigen Gundam. Für alle die noch nichts von letzterem gehört haben:

Gundam Statue in der Höhe eines mehrstöckigen Gebäudes
Gundam: Riesiger Roboter aus der Anime-
Serie „Mobile Suit Gundam“

Bei meinem ersten Tokyo-Besuch dachte ich noch, dass Odaiba zu westlich angehaucht wäre und daher wohl kaum ein nettes Ausflugsziel sein könnte. Allerdings haben ein Spaziergang entlang des Strandes von Odaiba, die scheinbar etwas bunt zusammengewürfelten Sehenswürdigkeiten der Insel und ein Sonnenuntergang in Richtung der Hochhäuser des Distrikts Minato und der Rainbow Bridge viel mehr Charme als gedacht. Ich komme daher immer wieder gern dahin zurück.

Freiheitsstatue und Fuji TV Building
Freiheitsstatue und Fuji TV Gebäude

Dämmerung bei der Rainbow Bridge auf Odaiba

Erinnerungen zur Abreise

Damit ging bereits der letzte Abend unseres doch recht kurzen Tokyo-Abenteuers zu Ende. Wie bereits andermal zuvor reiste ich mit etwas gemischten Gefühlen ab: Traurig, dass der kurze Besuch so schnell wieder vorbei war, aber gleichzeitig gespannt auf das Kommende. Dieses Mal schwang allerdings auch ein Gefühl der Dankbarkeit mit, dass die Zeiten von damals, als ich in dem winzig kleinen Zimmer in Tokyo hauste und geplagt war von Kulturschock und Fragen, wie und wo es für mich weitergehen sollte, inzwischen lange vorbei waren. Mein Leben hat seitdem eine ganz andere, unerwartete, aber vor allem unglaublich schöne Wendung genommen und dafür bin ich unendlich dankbar.

Tokyo ist wie ???

Nun verbindet nicht jeder, so wie ich, bereits diverse Erinnerungen mit Tokyo, also wie kann man sich die Stadt letztlich vorstellen? Ich glaube viele haben inzwischen schon so viel über die Hauptstadt Japans gehört und gesehen, dass es wohl schwierig ist, alle Erwartungen zu erfüllen. Die einen sind enttäuscht, weil sie dachten alles wäre moderner, bunter und die Japaner viel ausgefallener. Andere überrascht die Stadt womöglich positiv, da es in Tokyo viel sauberer, geordneter und im Allgemeinen auch ruhiger ist, als gedacht. Vier Jahre nach meinem ersten Besuch musste ich bereits selbst feststellen, wie viel sich inzwischen wieder verändert hat. Wenn ich an meine Aufenthalte in der Stadt denke, so kann ich letztlich vor allem nur eins sagen: Tokyo ist unglaublich vielschichtig. So zeigt sich dem einen vielleicht nur die saubere und vielleicht etwas langweilig wirkende Oberfläche, während der nächste bei einem Fest in einem Schrein alte Traditionen lebendig werden sieht und der dritte in Tokyos Nachtleben die ungewöhnlichsten Menschen kennenlernt. Was würde wohl euch begegnen?

Bye bye und bis bald!

Ina

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